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Harnwegsinfekte
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Im Alter häufig atypisch

Bei älteren Menschen gilt es, bei der Diagnostik und Therapie unkomplizierter Harnwegsinfektionen (HWI) besondere Aspekte zu berücksichtigen – zumal die Symptome häufig atypisch sind. Die aktualisierte S3-Leitlinie zu unkomplizierten HWI führt geriatrische Patienten erstmals als eigenständige Gruppe. Was das Apothekenteam wissen sollte.
AutorKontaktDaniel Finke
Datum 09.10.2025  09:00 Uhr

Harnwegsinfekte sind häufig, insbesondere bei Frauen und geriatrischen Patienten. Regelmäßig wird das pharmazeutische Personal in der Apotheke damit konfrontiert – meist, bevor die Patientin oder der Patient zum Arzt geht. Daher ist es für das Apothekenteam wichtig, sich mit der aktuellen leit­liniengerechten Therapie der unkomplizierten Harnwegsinfektion auseinanderzusetzen.

Nach rund sieben Jahren gab es im vergangenen Jahr ein Update der S3-Leit­linie »Epidemiologie, Diagnostik, Therapie, Prävention und Management unkomplizierter, bakterieller, ambulant erworbener Harnwegs­infektionen bei Erwachsenen (HWI)« (AWMF-Registernummer 043-044). Sie ist unter der Federführung der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) entstanden. Die Kurzfassung der vorherigen Version aus dem Jahr 2017 war mit etwa 3,3 Millionen Zugriffen eine der am häufigs­ten auf­gerufenen Leitlinien auf der Website der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) (1).

Neuerungen der Leitlinie

In der aktualisierten Leitlinie berücksichtigen die Autoren erstmals geriatrische Patienten als eigene Gruppe. Bei ihnen sind besondere Umstände hinsichtlich der Diagnose und Behandlung zu beachten. Oft erschweren untypische Symptome und chronische Beschwerden im Urogenitaltrakt eine ­Diagnose. Auch die Behandlung, die häufig neben einer bestehenden Poly­medikation stattfinden muss, ist oft kein leichtes Unterfangen.

In der neuen Leitlinienfassung werden zudem nicht antibiotische Behandlungsmöglichkeiten von unkompli­zierten akuten und rezidivierenden Harnwegsinfekten stärker betont (1). Von einem unkritischen Einsatz von Reserve­antibiotika raten die Autoren ab, insbesondere von Fluorchino­lonen, und weisen auf mögliche Schäden durch den unreflektierten Einsatz dieser Substanzen hin. Für das Patienten­kollektiv ­geriatrische Patienten mit und ohne Katheter wurden spezifische Informationen gesammelt und bewertet (1).

Darüber hinaus hat die DGU eine S3-Leitlinie zu komplizierten Harnwegs­infekten bei Frauen und Männern angemel­det. Mit der Fertigstellung ist im Juni 2026 zu rechnen (2).

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