Alkohol ist eine »Volksdroge« und birgt zahlreiche Risiken. Er ist das wichtigste vermeidbare (!) Teratogen. Rauschtrinken ist mit Verkehrsunfällen, Aggression und Kriminalität assoziiert; das trifft vor allem auf junge Männer zu. Chronischer Alkoholismus führt zu zahlreichen körperlichen Schäden, insbesondere in Verdauungstrakt, Leber und Pankreas.
Wissenschaftliche Studien zeigen jedoch, dass es nicht gerechtfertigt ist, moderaten Alkoholkonsum mit »riskantem Verhalten« gleichzusetzen. Viele Menschen konsumieren ein bis zwei Standardgläser pro Tag ohne offensichtliche Schadwirkungen; dies kann möglicherweise sogar die Sterblichkeit verringern. Günstige kardiovaskuläre Wirkungen bei Zufuhr geringer Mengen (täglich bis zu 20 ml bei Frauen, bis zu 30 ml bei Männern, berechnet als reiner Alkohol) wurden mehrfach dokumentiert.
Alkohol sollte als Genussmittel und nicht als Alltagsgetränk betrachtet werden. Gesundheitspolitische Maßnahmen sollten vor allem die Aufklärung von Schwangeren vorantreiben und den Konsum im Jugendalter verringern. Ein Verbot ist aus medizinischer Sicht nicht notwendig.
Jochen Klein studierte Pharmazie an der Universität Heidelberg (Approbation 1981) und Biochemie an der Emory University, Atlanta, USA. Er wurde 1987 an der Universität Mainz promoviert und habilitierte sich dort 1995 in Pharmakologie und Toxikologie. Von 1995 bis 2002 war er Hochschuldozent in Mainz und danach bis 2007 Associate Professor an der Texas Tech School of Pharmacy, Amarillo, USA. Von 2007 bis 2023 hatte er die W3-Professor für Pharmakologie und Klinische Pharmazie an der Universität Frankfurt inne. Alkohol war einer seiner Forschungsschwerpunkte.