Heute trinken in Europa und Nordamerika mehr als 80 Prozent der erwachsenen Bevölkerung gelegentlich Alkohol. Etwa ein Sechstel der deutschen Bevölkerung über 15 Jahren gilt als abstinent, ein weiteres Sechstel trinkt nur sehr selten.
Der Gesamtalkoholverbrauch ist in den letzten 40 Jahren kontinuierlich um etwa 40 Prozent gesunken; der Durchschnittsverbrauch beträgt in Deutschland (bei Menschen über 15 Jahren) aber immer noch etwa 10 Liter Ethanol pro Jahr. Das entspricht 25 bis 30 ml (22 g) Alkohol pro Tag, eine Menge, die in 0,6 Liter Bier oder 0,25 Liter Wein enthalten ist. Nach einer anderen Studie liegt der durchschnittliche Verbrauch an Bier bei 0,25 Liter pro Tag, an Wein bei 60 ml und an Spirituosen bei 14 ml; dies ergibt etwa 20 g Alkohol/Tag.
Die regelmäßige Zufuhr großer Alkoholmengen schädigt zahlreiche Organe. Im Vordergrund stehen Schäden des Verdauungstrakts und assoziierter Organe (Fettleber, Leberzirrhose, Pankreatitis, Malabsorptionsstörungen). Tumoren in Mund und Rachen treten gehäuft auf.
Ethanol gehört außerdem zu den wenigen Giftstoffen, die auch die Muskulatur schädigen; es kommt zur Schädigung des Herzmuskels mit Herzinsuffizienz. Weiterhin führen hormonelle Wirkungen zur Feminisierung von Männern; auch Impotenz kann auftreten.

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Es wird geschätzt, dass etwa 10 bis 15 Prozent der Alkoholtrinkenden einen hohen, die Gesundheit gefährdenden Konsum aufweisen. Allerdings gibt es keinen internationalen Konsens darüber, was ein »starker Trinker« ist. Die regelmäßige tägliche Einnahme mehrerer alkoholischer Getränke ist mit Sicherheit als gesundheitsgefährdend einzuschätzen.
Die Definition von Alkoholismus bezieht sich auf ein Verhalten, das beibehalten wird, obwohl soziale oder gesundheitliche Risiken bestehen. Chronischer Missbrauch kann zur Sucht werden, wenn bei Alkoholkarenz ein Entzugssyndrom auftritt, zum Beispiel Tremor, Delirium mit Halluzinationen (weiße Mäuse oder Ähnliches) oder Krämpfe.
Ein Mensch, der häufig trinkt, aber einen mehrwöchigen (alkoholfreien) Krankenhausaufenthalt ohne Symptomatik übersteht, ist nach dieser Definition nicht süchtig, auch wenn bedenkliche gesundheitliche Konsequenzen drohen. Gelegentliche Rauschtrinker, die am nächsten Tag einen Kater (»hangover«) haben, sind nicht als süchtig anzusehen, sondern gehören zu den gesundheitlich gefährdeten Personen.
Chronischer Alkoholismus liegt sicherlich vor, wenn berauschende Zustände täglich erreicht werden, zum Beispiel bei regelmäßiger täglicher Aufnahme von drei oder mehr Drinks (Standardgläsern); das entspricht 50 g Alkohol oder mehr. Verschiedene Institutionen haben geringere Grenzwerte festgelegt; so wurde schon die regelmäßige Einnahme von 20 g Alkohol pro Tag (deutscher Durchschnittswert) als Alkoholismus bezeichnet. Dieser Grenzwert scheint zu niedrig, denn es tritt keine Abhängigkeit auf. Wie besprochen, besteht bei Mengen unter 50 g/Tag erhebliche Unsicherheit bei der Beurteilung der gesundheitlichen Konsequenzen.
Die Neurotoxizität wird dagegen oft überschätzt. Ethanol wird als Nervengift bezeichnet; tatsächlich sind Nervenzellen in Kultur aber recht unempfindlich dagegen. Moderate Mengen von Alkohol schränken beim Erwachsenen die Funktion der Nervenzellen ein, führen aber nicht zu neuronalem Zelltod.
Chronischer Missbrauch von Alkohol ist (nach Diabetes) ein häufiger Grund für eine Polyneuropathie, die mit Empfindungsstörungen und Schmerzen in peripheren Nerven einhergeht. Eine Alkohol-induzierte Wernicke-Enzephalopathie kann bei starken Trinkern innerhalb weniger Wochen oder Monate entstehen und geht mit der typischen Trias Konfusion, Ataxie und Nystagmus einher. Sie spricht häufig und schnell auf eine Gabe von Thiamin an (injizierbar als Benfotiamin).
Nach vieljährigem Alkoholmissbrauch kann sich ein Korsakow-Syndrom entwickeln, das sich mit starker Verwirrtheit und Gedächtnisstörungen äußert. Dabei sind Degenerationen vor allem im basalen Vorderhirn zu beobachten, die in etwa denen der Alzheimer-Demenz ähneln. Dazu verursacht Alkoholismus häufig eine Degeneration des Kleinhirns.
Alkohol kann also sehr wohl Gehirn und Nervensystem schädigen. Allerdings werden solche Schäden erst nach Jahren des Missbrauchs beobachtet und nicht bei moderaten Dosen.