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Moderater Alkoholkonsum
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Eine Gefahr für die Gesundheit?

Über das Schadpotenzial von Alkohol, insbesondere über die Wirkung kleiner Mengen, wird viel diskutiert. Bedroht das tägliche Glas Bier oder Wein die Gesundheit? Die Gefährlichkeit von Alkohol hängt stark vom Alter, in dem er getrunken wird, und von der Einnahmemenge ab.
AutorKontaktJochen Klein
Datum 28.06.2026  08:00 Uhr

Gefahren des chronischen Alkoholismus

Heute trinken in Europa und Nordamerika mehr als 80 Prozent der erwachsenen Bevölkerung gelegentlich Alkohol. Etwa ein Sechstel der deutschen Bevölkerung über 15 Jahren gilt als abstinent, ein weiteres Sechstel trinkt nur sehr selten.

Der Gesamtalkoholverbrauch ist in den letzten 40 Jahren kontinuierlich um etwa 40 Prozent gesunken; der Durchschnittsverbrauch beträgt in Deutschland (bei Menschen über 15 Jahren) aber immer noch etwa 10 Liter Ethanol pro Jahr. Das entspricht 25 bis 30 ml (22 g) Alkohol pro Tag, eine Menge, die in 0,6 Liter Bier oder 0,25 Liter Wein enthalten ist. Nach einer anderen Studie liegt der durchschnittliche Verbrauch an Bier bei 0,25 Liter pro Tag, an Wein bei 60 ml und an Spirituosen bei 14 ml; dies ergibt etwa 20 g Alkohol/Tag.

Die regelmäßige Zufuhr großer Alkoholmengen schädigt zahlreiche Organe. Im Vordergrund stehen Schäden des Verdauungstrakts und assoziierter Organe (Fettleber, Leberzirrhose, Pankreatitis, Malabsorptionsstörungen). Tumoren in Mund und Rachen treten gehäuft auf.

Ethanol gehört außerdem zu den wenigen Giftstoffen, die auch die Muskulatur schädigen; es kommt zur Schädigung des Herzmuskels mit Herzinsuffizienz. Weiterhin führen hormonelle Wirkungen zur Feminisierung von Männern; auch Impotenz kann auftreten.

Die Neurotoxizität wird dagegen oft überschätzt. Ethanol wird als Nervengift bezeichnet; tatsächlich sind Nervenzellen in Kultur aber recht unempfindlich dagegen. Moderate Mengen von Alkohol schränken beim Erwachsenen die Funktion der Nervenzellen ein, führen aber nicht zu neuronalem Zelltod.

Chronischer Missbrauch von Alkohol ist (nach Diabetes) ein häufiger Grund für eine Polyneuropathie, die mit Empfindungsstörungen und Schmerzen in peripheren Nerven einhergeht. Eine Alkohol-induzierte Wernicke-Enzephalopathie kann bei starken Trinkern innerhalb weniger Wochen oder Monate entstehen und geht mit der typischen Trias Konfusion, Ataxie und Nystagmus einher. Sie spricht häufig und schnell auf eine Gabe von Thiamin an (injizierbar als Benfotiamin).

Nach vieljährigem Alkoholmissbrauch kann sich ein Korsakow-Syndrom entwickeln, das sich mit starker Verwirrtheit und Gedächtnisstörungen äußert. Dabei sind Degenerationen vor allem im basalen Vorderhirn zu beobachten, die in etwa denen der Alzheimer-Demenz ähneln. Dazu verursacht Alkoholismus häufig eine Degeneration des Kleinhirns.

Alkohol kann also sehr wohl Gehirn und Nervensystem schädigen. Allerdings werden solche Schäden erst nach Jahren des Missbrauchs beobachtet und nicht bei moderaten Dosen.

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