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Moderater Alkoholkonsum
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Eine Gefahr für die Gesundheit?

Über das Schadpotenzial von Alkohol, insbesondere über die Wirkung kleiner Mengen, wird viel diskutiert. Bedroht das tägliche Glas Bier oder Wein die Gesundheit? Die Gefährlichkeit von Alkohol hängt stark vom Alter, in dem er getrunken wird, und von der Einnahmemenge ab.
AutorKontaktJochen Klein
Datum 28.06.2026  08:00 Uhr

Das fetale Alkoholsyndrom

Ethanol ist am giftigsten zu Beginn des Lebens. Alkoholbedingte Schäden an Kleinkindern wurden schon bei Aristoteles und in der Bibel beschrieben. Die moderne Literatur zum fetalen Alkoholsyndrom (FAS) beginnt aber erst in den 1970er-Jahren. Aus amerikanischen Studien ist bekannt, dass eines von 100 Babys alkoholbedingte Schäden minderer Ausprägung aufweist, aber eines von 1000 das Vollbild des FAS zeigt. Die Zahlen in Deutschland dürften ähnlich sein.

Alkohol ist als Teratogen erheblich gefährlicher als andere Suchtdrogen, zum Beispiel Rauchen, Kokain oder Cannabis. Alkoholschäden werden schon unmittelbar nach der Geburt sichtbar, da die Gesichtszüge der Neugeborenen charakteristische Züge aufweisen (siehe Titelbeitrag in PZ 35/2025). Während sich diese Zeichen nach einigen Lebensjahren normalisieren können, leiden die Kinder unter einer dauerhaft verminderten Intelligenz. Menschen mit dem Vollbild FAS haben im Allgemeinen einen Intelligenzquotienten von ungefähr 70. Jugendliche fallen oft durch Hyperaktivität, Lernschwäche und fehlende soziale Distanz auf.

Leider gibt es nach der Geburt keine therapeutischen Möglichkeiten, die kognitiven Leistungen zu verbessern Die Lebenserwartung von FAS-geschädigten Menschen ist massiv erniedrigt und liegt bei 35 bis 40 Jahren.

Alkoholmissbrauch der Mutter ist der mit Abstand häufigste Grund für vermeidbare Geburtsschäden. Das fetale Alkoholsyndrom ist – im Gegensatz zu genetisch bedingten Schäden – durch frühzeitige Aufklärung der Schwangeren vermeidbar. Ab welchen Mengen Alkohol besteht Gefahr? Chronische Alkoholkrankheit der Mutter ist der typische Auslöser von FAS; Alkoholismus beim Mann hat keinen Einfluss.

Allerdings fällt das Ausmaß der kindlichen Schäden individuell recht verschieden aus. Selbst bei Frauen mit gesichertem Alkoholismus ist etwa die Hälfte der Kinder nach der Geburt gesundheitlich unauffällig; die Gründe für die variable Empfindlichkeit der Ungeborenen sind unbekannt.

Alkohol ist in der gesamten Fetalphase gefährlich, weil er das Wachstum des Gehirns verlangsamt. In Tierversuchen konnte keine sichere Schwellendosis für Alkohol, unter der der Genuss von Alkohol unschädlich ist, ermittelt werden. Daher gilt die dringende Empfehlung, keinen Alkohol in der Schwangerschaft zu sich zu nehmen. Ideal wäre es, schon bei Kinderwunsch vorbeugend auf jeglichen Drink zu verzichten.

Andererseits gibt es viele Frauen, die gelegentlich etwas getrunken haben, ohne dass kindliche Schäden auftraten. Dies kommt zum Beispiel in der Frühschwangerschaft vor oder wenn die Frau die Gefahr von Alkohol nicht kennt.

In Deutschland geben etwa 13 bis 15 Prozent der Schwangeren an, gelegentlich Alkohol getrunken zu haben. Bei diesem Konsum können alkoholbedingte Schäden beim Kind in der Regel nicht belegt werden. Man sollte aber darauf hinweisen, dass einzelne Alkoholexzesse (»binge drinking«) im Tierversuch sehr wohl Geburtsschäden auslösen konnten.

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