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Beziehung zum Alkohol
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Heute trinken Menschen anders

Alkohol begleitet Menschen seit Jahrtausenden. Doch heute gelten selbst geringe Mengen als Gesundheitsrisiko. Gleichzeitig hat sich die Trinkkultur verändert – weg vom Ritual, hin zum Konsum allein. Was heißt das für die Forschung?
AutorKontaktJennifer Evans
Datum 19.05.2026  07:00 Uhr

Unser Verhältnis zum Alkohol hat sich verändert. Lange galt ein Glas Wein am Abend als unbedenklich, teils sogar als gesund. »Alle liebten diese Geschichte«, zitiert die Wissenschaftsplattform »Science News« in einer Kolumne die Psychiaterin Dr. Anya Topiwala von der Universität Oxford.

Heute sieht es anders aus: Schon wenige Drinks pro Woche erhöhen laut Studien das Risiko für Krankheiten, besonders für Krebs und Demenz. Gesundheitsbehörden wie die Weltgesundheitsorganisation WHO erklären inzwischen, dass es keine sichere Konsummenge gibt.

Forschende wie Topiwala wollen nun vor allem aufklären, damit Menschen bewusster entscheiden können, ob und wie viel sie konsumieren wollen. Damit verschiebt sich auch der Fokus der Forschung: Moralische Bewertungen stehen nicht mehr im Zentrum, sondern die Frage, wie Menschen mit Alkohol umgehen.

Bei diesem Thema lohnt auch ein Blick in die Geschichte. Historische Berichte belegen, dass Alkohol soziale Bindungen gestärkt und kreative Prozesse erleichtert hat, wie der Philosoph und Psychologe Professor Dr. Edward Slingerland von der kanadischen Universität British Columbia laut der Online-Kolumne argumentiert. Er sieht Alkohol als ein Mittel, das die Kontrolle des präfrontalen Kortex dämpft. Dadurch könnten Menschen offener denken, Hemmungen abbauen und leichter Vertrauen entwickeln.

Keine Kontrollinstanz mehr

Bei der Analyse anthropologischer Daten aus 186 Kulturen fanden Forschende sogar einen geringen Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und gesellschaftlicher Komplexität. Der Evolutionsanthropologe Dr. Václav Hrnčíř vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie geht aber davon aus, dass Alkohol nur ein Faktor unter vielen war. Musik, Rituale und gemeinsame religiöse Praktiken hätten ähnliche Funktionen erfüllt. Das gemeinsame Trinken schuf den historischen Daten zufolge aber nicht in allen Fällen Zusammenhalt – viele Feste endeten auch in Gewalt und Konflikten.

Auffällig erscheint der Wandel der Trinkkultur, wie der »Science News«-Beitrag hervorhebt. In antiken Gesellschaften galt Trinken meist als kollektives Ritual. Allerdings enthielten die verzehrten Getränke wie vergorene Biere oder Obstweine mit rund 2 bis 6 Prozent deutlich weniger Alkohol als heute, wo Rum, Gin oder Wodka bei einem Alkoholgehalt von 35 Prozent starten und in Mixgetränken sogar bis zu 95-prozentige Spirituosen ins Glas  kommen. Zudem war der Konsum früher teilweise überwacht, im antiken Griechenland etwa verdünnte ein sogenannter Symposiarch Wein mit Wasser, wenn seiner Ansicht nach zu viel Ausgelassenheit herrschte.

Moderne Gesellschaften kennen solche Kontrollinstanzen kaum noch; Hochprozentiges ist jederzeit verfügbar. Gleichzeitig trinken Menschen inzwischen häufiger allein, besonders junge Erwachsene. Laut US-Studien gaben zuletzt fast 25 Prozent der Männer und 20 Prozent der Frauen im Alter von 19 und 20 Jahren an, allein zu trinken – häufig, um Stress oder negative Emotionen abzubauen.

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