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Moderater Alkoholkonsum
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Eine Gefahr für die Gesundheit?

Über das Schadpotenzial von Alkohol, insbesondere über die Wirkung kleiner Mengen, wird viel diskutiert. Bedroht das tägliche Glas Bier oder Wein die Gesundheit? Die Gefährlichkeit von Alkohol hängt stark vom Alter, in dem er getrunken wird, und von der Einnahmemenge ab.
AutorKontaktJochen Klein
Datum 28.06.2026  08:00 Uhr

Begrenzte Datenlage

In den letzten Jahren wurden häufig auch geringe Alkoholmengen als schädlich bezeichnet. Diese Empfehlungen beruhen überwiegend auf Querschnittsstudien, in denen die Probanden selbst angeben, was sie zu sich nehmen. Jedoch sind Selbstberichte unzuverlässig, da Probanden oft aus Schamgefühl viel geringere Mengen an Alkohol angeben, als sie tatsächlich getrunken haben. Solche Fehlangaben führen leicht zur Überschätzung der schädlichen Alkoholwirkungen.

Ebenfalls von begrenzter Aussagekraft sind weltweite Studien zur Verteilung der Erkrankungen und Todesursachen, zum Beispiel die »Global Burden of Disease«-Studien der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Diese Studien sind zwar nützlich, aber viele Länder im globalen Süden liefern wenige oder sehr unvollständige Daten. In diesen Fällen verwendet die WHO Extrapolationen und mathematische Modelle, um die Krankheitshäufigkeit in Ländern abzuschätzen, die keine Daten liefern können. Dieses Vorgehen wurde wiederholt kritisiert.

Darüber hinaus relativieren sich die Empfehlungen der GBD-Studien dadurch, dass auch andere Faktoren als die Ernährung die Häufigkeit von Krankheiten in verschiedenen Kontinenten stark beeinflussen. Dazu gehört nicht nur der genetische Hintergrund, sondern auch die Altersverteilung der Bevölkerung sowie soziale, kulturelle und klimatische Bedingungen, die Qualität der Arbeit und die Freizeitgestaltung.

Schließlich wurde argumentiert, dass durch die alkoholbedingte Zunahme von Krebserkrankungen die positiven kardiovaskulären Effekte moderaten Konsums aufgehoben werden. Tatsächlich gibt es überzeugende Untersuchungen, nach denen hoher Alkoholkonsum die Häufigkeit von Tumoren in Mund und Rachen steigert und das Risiko für Brustkrebs bei Frauen erhöht.

Die Zusammenhänge von moderatem Konsum und Krebs sind weit weniger deutlich und schwer abzuschätzen; Korrelationen zeigen wenig Risiko bei Alkoholgebrauch unter 50 g/Tag. Für Tumoren in den Atemwegen muss bei der Risikoermittlung unbedingt das Tabakrauchen berücksichtigt werden, was nicht immer geschieht.

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