| Ev Tebroke |
| 15.10.2026 12:40 Uhr |
Klaubert zufolge braucht es im Krisenfall regionale Lösungen. Insbesondere Landapotheken seien im Ernstfall ein niedrigschwelliger Ankerpunkt für die flächendeckende Versorgung. Und diese Apotheken hätten es jetzt im Vergleich zu den städtischen Apotheken oft schwer. »Doch ohne die Landapotheke wird es nicht funktionieren«, so Klaubert. »In der Versorgung der Soldatinnen und Soldaten planen wir bereits mit diesen regionalen Vertretern.«
Für eine entsprechende Vorbereitung nennt Klaubert ausgehend vom Militär fünf Planungskategorien: Personal, Material, Infrastruktur, Organisation und den Betrieb. Auf die ersten vier Kategorien könne man sich vorbereiten. Personal könne man trainieren. Was die Infrastruktur angehe, so seien Apotheken auch hier noch nicht mit eingeplant. »Hier wurde der ländliche Raum teilweise vergessen.«
Grundsätzlich fordert Klaubert politische Unterstützung für die Apotheken, wenn sie in die Krisenvorsorge investieren: Stichwort Notstromversorgung, Notwasserversorgung, Kommunikation. Es müsse geregelt sein, wie der pharmazeutische Nachschub organisiert werden kann.
Auf nationaler Ebene müsse zudem klar sein, welche Medikamente verfügbar sind, welche essenziellen Medikamente und welche Notfallmedikamente erforderlich sind. »Hier brauchen wir Konsens«, so Klaubert. Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) sollte aus seiner Sicht die Federführung übernehmen. Es gelte, zu fokussieren: »Welche Substanzen brauche ich tatsächlich?« Auch brauche es seitens des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) ein klares Lagebild über die Arzneimittelverfügbarkeit. Der Großhandel wisse, wie lange er mit seinem Arzneimittelvorrat planen kann, auf nationaler Ebene fehle dies bislang.
Wenn man Klaubert zuhört, wird deutlich, dass es noch viel zu tun gibt für eine resiliente Arzneimittelversorgung. Aber das ADD-Format ist ja nicht nur für fachlichen Diskurs bekannt, sondern bietet dem Gast auch die Chance, sich von seiner persönlichen Seite zu zeigen. Klaubert überrascht hier als Bundeswehroberst mit der Antwort, dass er kreatives Chaos der Ordnung vorziehe. Zudem kocht er sehr gern. Auf die Frage, ob er auch privat gern Kommandos gibt, kam ein schelmisches »Jein« als Antwort. Er selbst ist privat nicht auf den Ernstfall vorbereitet, sei kein »Prepper«. Er ist ein sehr zuversichtlicher Mensch: »Ich habe vor nichts Angst.«
Bei der Frage nach Peinlichkeiten in seinem Leben erntet er viele Lacher, und bei den traditionellen A- oder B-Fragen des ADD-Formats kamen die Antworten im Sekundentakt. »Apothekenrevision oder Stubenkontrolle?« »Stubenkontrolle«; »Sicherheit oder Freiheit?« »Freiheit«; »Checkliste oder Erfahrungswissen?« »Erfahrungswissen«. Was die Krisenresilienz anbelangt, so bleibt die tatsächliche Erfahrung hoffentlich aus. Aber die Vorbereitung darauf ist unausweichlich, das hat Klaubert mehr als deutlich machen können.