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Pharmakotherapie der CED
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Da tut sich was!

Die Pharmakotherapie der chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) befindet sich in einem grundsätzlichen Wandel. Innovative Therapien zielen nicht nur auf eine Schubreduktion, sondern auf die Mukosaheilung ab. Wie gelingt das?
AutorKontaktGerd Bendas
Datum 25.01.2026  08:00 Uhr

Extraintestinale Manifestationen

Beide CED sind systemische Erkrankungen, die die generelle Leistungsfähigkeit der Patienten beeinträchtigen. Sie können auch extraintestinale Manifestationen aufweisen, von denen ein Gelenkbefall die höchste Prävalenz hat. So zeigen beispielsweise 20 bis 40 Prozent der Crohn-Patienten mit zunehmender Krankheitsdauer Gelenkbeschwerden.

Bei 4 bis 12 Prozent der CED-Patienten treten Entzündungen im Auge auf, wobei neben einer Episkleritis (Entzündung zwischen der Binde- und Hornhaut) auch die inneren Bereiche des Auges betroffen sein können (Uveitis). Zudem leiden nahezu 40 Prozent der Patienten aufgrund mangelnder Tränenflüssigkeit unter Sicca-Symptomen.

Auch Hautreaktionen, insbesondere Erythema nodosum, Pyoderma gangraenosum und Psoriasis vulgaris korrelieren mit der Schwere des Krankheitsverlaufs von MC. Hepatobiliäre Manifestationen sind ebenfalls mit CED assoziiert und können etwa in Form einer Leberverfettung jederzeit auftreten.

Pathogenese der CED

Die genaue Pathogenese der CED ist weiterhin unbekannt. Das Zusammentreffen einer genetischen Prädisposition mit externen Faktoren kann zum Ausbruch der Krankheiten führen, die dann durch eine Fehlregulation des intestinalen Immunsystems geprägt ist (Abbildung 1) (1).

Aktuell werden bis zu 30 verschiedene Gene genannt, die die Homöostase in der intestinalen Immunregulation und so auch die Barrierefunktion des Epithels beeinflussen (2). Dadurch dringen Bestandteile der eigenen Mikrobiota in das subepitheliale Gewebe (Lamina propria) ein und werden dort fälschlich als fremd erkannt (3). Als Ergebnis einer überaktivierten autoimmunen Entzündung kommt es zur dauerhaften Gewebeschädigung.

Als externe Ursachen gelten direkte Einflussfaktoren auf die intestinale Mikrobiota, wobei der Ernährung eine wichtige Rolle zukommt. Auch Stress gilt als forcierender Faktor. Wie bei anderen Autoimmunerkrankungen wird ein Mangel an Vitamin D als möglicher Faktor angesehen, wodurch sich das geografische Nord-Süd-Gefälle der Krankheitshäufigkeit erklären lässt. Rauchen verdoppelt die Inzidenz des MC.

Die Mechanismen der Pathogenese, schematisch dargestellt in Abbildung 1, offenbaren damit wichtige Ansatzpunkte für eine Pharmakotherapie. Die Präsentation bestimmter Antigene durch Makrophagen oder dendritische Zellen induziert die Differenzierung und Proliferation von T-Lymphozyten (links). Proinflammatorische Zytokine sorgen für die Kommunikation zwischen den Beteiligten der zellulären Immunabwehr. Diese Zytokine verursachen auch eine Rekrutierung von Leukozyten aus dem Blut- und Lymphsystem in das Entzündungsareal (rechts unten). Daher sind die Unterdrückung der Lymphozytenaktivierung und die Unterbrechung des proinflammatorischen Milieus als grundsätzliche Ansatzpunkte der Therapie enorm wichtig.

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