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Pharmakotherapie der CED
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Da tut sich was!

Die Pharmakotherapie der chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) befindet sich in einem grundsätzlichen Wandel. Innovative Therapien zielen nicht nur auf eine Schubreduktion, sondern auf die Mukosaheilung ab. Wie gelingt das?
AutorKontaktGerd Bendas
Datum 25.01.2026  08:00 Uhr

Ziele und Mechanismen der Pharmakotherapie

Für beide Erkrankungen liegen aktuelle therapeutische S3-Leitlinien vor: Colitis ulcerosa, Version 7.0 von November 2025 (4), sowie die Living guideline zur Diagnostik und Therapie des Morbus Crohn (Version 4.1) – 2024 (5).

Ziel der Pharmakotherapie ist es, angepasst für die jeweiligen Patienten eine Remission der schubförmig auftretenden Beschwerden zu erreichen und diese möglichst lange zu erhalten. Zwar wird klassischerweise noch zwischen der Therapie zur Remissionsinduktion und der remissionserhaltenden Therapie unterschieden, jedoch gehen beide Formen zunehmend ineinander über. Längerfristig gesehen sollen die Verhinderung von Spätfolgen und operativen Eingriffen sowie die Senkung des Risikos für kolorektale Karzinome erreicht werden.

Aus pharmazeutischer Sicht gibt es vier unterschiedliche Mechanismen, um hemmend in den pathologischen Entzündungsfortgang einzugreifen:

  • Minderung des Barrieredefekts des Epithels durch 5-Aminosalicylsäure und Unterdrückung der Zytokinproduktion durch 5-Aminosalicylsäure oder Glucocorticoide,
  • Hemmung der Lymphozytenproliferation durch Immunsuppressiva wie Azathioprin oder 6-Mercaptopurin sowie der Lymphozytenaktivierung durch Ciclosporin.
  • Hemmung der Zytokine durch deren direkte Blockade mittels Antikörpern gegen TNF-α, IL-12 und/oder IL-23 sowie Hemmung der Zytokinfunktionalität auf Rezeptorebene (Januskinase-Inhibitoren, Jakinibe) und
  • Unterdrückung der Extravasation von Leukozyten aus dem Blut- oder Lymphsystem in das Entzündungsgebiet durch Vedolizumab oder die Sphingosin-1-Phosphat-Rezeptor-Modulatoren Ozanimod und Etrasimod.

Während die ersten beiden Wirkprinzipien bei moderaten Erkrankungen auch bei einer Eskalationsstrategie Anwendung finden, werden die Wirkstoffe der zwei letztgenannten Prinzipien nach Versagen der Basistherapie und auch für steroidrefraktäre Patienten empfohlen. In den Leitlinien wird – mangels direkter Vergleichs- und Eskalationsstudien – dafür kein Wirkprinzip oder Wirkstoff priorisiert; vielmehr soll patientenindividuell ausgewählt werden. Im Unterschied zu früheren Leitlinien gibt es also bei den hochwirksamen Arzneistoffen keine klare Rangfolge eines Stufenschemas mehr!

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