Zytokine entfalten ihre Wirkung in den Immunzellen durch Aktivierung ihrer Rezeptoren. Diese sind intrazellulär mit sogenannten Januskinasen (JAK) verbunden, die nach Bindung von Zytokinen proinflammatorische Signalkaskaden im Zellinneren induzieren. Die Inhibition der JAK im Zellinneren durch kleine Moleküle (small molecules) hat in den letzten Jahren ihre Effektivität bei verschiedenen autoimmunen Entzündungen unter Beweis gestellt. Vorteilhaft ist zudem die orale Anwendbarkeit.
Das Wirkspektrum der Inhibitoren wird dadurch bestimmt, welche der vier bekannten JAK (JAK1 bis -3, Tyk2) adressiert werden. Von den mittlerweile neun zugelassenen JAK-Inhibitoren (Jakinibe) mit antientzündlicher Wirksamkeit sind drei Wirkstoffe auch in der Therapie der CED vertreten (Tabelle 2) (10).
| Substanz, Handelsname (Beispiel) | Target | Zulassung | Induktionstherapie | Erhaltungstherapie |
|---|---|---|---|---|
| Tofacitinib Xeljanz® | JAK1/JAK3 | CU | 2 × 10 mg/d, 8 Wo | 2 × 5 mg/d |
| Filgotinib Jyseleca® | JAK1 | CU | 200 mg/d | 200 mg/d |
| Upadacitinib Rinvoq® | JAK1 | CU, MC | 45 mg/d, 8 Wo | 15 oder 30 mg/d |
| Ozanimod Zeposia® | S1PR(1) | CU | 0,92 mg/d aufdosiert bis Tag 8 | 0,92 mg/d |
| Etrasimod Velsipity® | S1PR(1) | CU | 2 mg/d | 2 mg/d |
Als erster JAK-Inhibitor wurde Tofacitinib für die Behandlung der mittelschweren bis schweren CU zugelassen. Es hemmt JAK1 und -3 irreversibel. Tofacitinib wird zur Induktion einer Remission acht Wochen zweimal täglich oral verabreicht. Ist dann zwar ein Ansprechen der Therapie, aber keine vollständige Remission zu verzeichnen, sollte die Therapie für weitere acht Wochen fortgeführt werden. Nach erfolgreicher Remissionsinduktion kann die Dosis reduziert werden, bei ausbleibendem Erfolg ist eine Alternative zu suchen (11). Bei einer Halbwertszeit von nur etwa drei Stunden wird Tofacitib hauptsächlich über CYP3A4 metabolisiert.
Filgotinib gehört als selektiver Inhibitor von JAK1 zur sogenannten zweiten Generation der Jakinibe und ist seit 2021 bei schwereren Verlaufsformen der CU zugelassen. Durch die präferenzielle JAK1-Hemmung erhofft man sich weniger Nebenwirkungen. Filgotinib hat eine Halbwertszeit von etwa 7 bis 19 Stunden; daher wird eine einmal tägliche Gabe empfohlen.
Auch Upadacitinib ist ein präferenzieller JAK1-Blocker, der sowohl für die CU als auch den MC zugelassen wurde (12). Er ist der erste JAK-Inhibitor, der in klinischen Studien eine signifikante Effektivität bei MC zeigte (13).
▶ Jakinibe haben die therapeutischen Optionen zur Hemmung von Zytokinen stark erweitert. Die orale Verfügbarkeit und der schnelle Wirkeintritt werden von vielen Patienten geschätzt; allerdings sind Interaktionspotenziale auf Ebene der Metabolisierung via CYP-Enzymen zu beachten.