Eine Reihe von Wirkstoffkandidaten befindet sich in fortgeschrittenen Phasen der klinischen Entwicklung als neuartige Therapeutika zur Anwendung bei CED. Beispielhaft werden einige Entwicklungen kurz genannt.
Der monoklonale Antikörper Tulisokibart (neue Antikörper-Nomenklatur) ist gegen den Tumor-Nekrose-Faktor-like Ligand 1A (TL1A) gerichtet und wirkt als Checkpoint-Inhibitor, da so die Interaktion von TL1A mit dem Death Domain Receptor (DR3) im Immunsystem unterbunden wird. Der Antikörper wurde in Phase-II-Studien erfolgreich bei der CU getestet (18).
ABX46-Obefazimod (Abivax) ist ein niedermolekularer Wirkstoff, der erfolgreich in Phase-III-Studien zur Behandlung der CU entwickelt wird. Er vermittelt seine antiinflammatorische Wirksamkeit über die Bildung antientzündlicher microRNA.
Ein hochselektiver JAK1-Inhibitor (Ivarmacitinib, SHR0302) befindet sich in klinischer Entwicklung und Testung für verschiedene autoimmune Entzündungserkrankungen. In einer Phase-II-Studie (AMBER2) war er erfolgreich in der Therapie der CU (19).
Der oral wirksame Integrin(α4)-Adhäsionsinhibitor AJM300 (Carotegrast-Methyl) stellte in der Induktionstherapie der CU in einer Phase-III-Studie seine Wirksamkeit unter Beweis (20).
Weitere klinische Entwicklungen richten sich auf Methoden und Prinzipien, um die Heilung geschädigter Schleimhautbereiche, auch als postoperative Nachsorge, zu stärken. Zu den diversen Ansätzen zählen Stammzelltransplantationen, lokal wirksame (bioadhäsive) Systeme zur Freisetzung von Wachstumsfaktoren oder von Hydrogelbildnern zur Stabilisierung oder Simulation einer extrazellulären Matrix.

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Die pharmazeutische Beratung von Patienten mit CED in der Apotheke hat vielfältige Facetten. Dazu gehören die Klärung potenzieller pharmakokinetischer Interaktionen bei oralen Therapeutika (Jakinibe, S1PR-Modulatoren) und die Bewertung von Nebenwirkungen durch Immunsuppression (Infektanfälligkeit, Impfstrategie).
Schmerzen sind eine sehr häufige Begleiterscheinung der CED, besonders als erstes Symptom, aber auch außerhalb eines Schubs. Oftmals reicht die Behandlung der Grunderkrankung zur Schmerzbekämpfung nicht aus, sodass eine symptomatische Analgesie unerlässlich ist. Wichtig: Die klassischen NSAID sind aufgrund ihres Risikopotenzials für gastrointestinale Schädigungen nicht indiziert; sie werden sogar als schubauslösend bei CED-Patienten beschrieben. Das gilt natürlich für jegliche Schmerztherapie, also auch bei Kopf-, Bauch- oder Rückenschmerzen.
Das Apothekenteam sollte die Patienten zur moderaten Anwendung von Paracetamol oder Metamizol oder zur temporären Gabe von Opioid-Analgetika beraten und an den Arzt verweisen.