Die intestinale Mikrobiota, das heißt die Gesamtheit der im intestinalen Bereich siedelnden Mikroorganismen, entfaltet in ihrer Homöostase einen starken Einfluss auf physiologische Prozesse und Abwehrreaktionen und wirkt somit auch auf die Steuerung des Immunsystems ein. Es ist bekannt und klar belegt, dass die Diversität der Mikrobiota bei Patienten mit CED eingeschränkt ist. Inwieweit dies eine Ursache oder eine Auswirkung der entzündlichen Erkrankungen ist, wird intensiv beforscht.
Es erscheint plausibel, die Beeinflussung der Mikrobiota als therapeutischen Ansatzpunkt aufzufassen, um über deren »Normalisierung« die Krankheitsursachen funktionell zu adressieren. So sollen Probiotika das Milieu der intestinalen Mikroorganismen direkt beeinflussen. Einzelne Studien konnten beweisen, dass bestimmte Probiotika bei CU, nicht aber bei MC die Phasen des Remissionserhalts verlängern können. Hervorzuheben hierbei ist der E.-coli-Stamm Nissle, der beim Remissionserhalt bei moderaten Verlaufsformen von CU keine Unterlegenheit gegenüber Mesalazin zeigte (21). Die Leitlinie zur Therapie der CU erwähnt positiv (5), dass damit in individuellen Fällen ein Induktionserhalt erreicht werden kann, das Probiotikum aber nicht zur Remissionsinduktion geeignet ist.
Gerd Bendas studierte Pharmazie an der Universität Halle, schloss mit dem Diplom ab und wurde 1994 promoviert. Im Jahr 2000 habilitierte er sich für das Fachgebiet Pharmazeutische Chemie. Seit 2003 hat er die Professur für Pharmazeutische Chemie an der Universität Bonn inne. Seine Forschungstätigkeit liegt schwerpunktmäßig auf der Untersuchung der molekularen Mechanismen der Metastasierung und der Chemoresistenz von Tumoren sowie therapeutischen Strategien zu deren Inhibition.