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Pharmakotherapie der CED
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Da tut sich was!

Die Pharmakotherapie der chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) befindet sich in einem grundsätzlichen Wandel. Innovative Therapien zielen nicht nur auf eine Schubreduktion, sondern auf die Mukosaheilung ab. Wie gelingt das?
AutorKontaktGerd Bendas
Datum 25.01.2026  08:00 Uhr

Hemmung von Zytokinen: TNF-α

Die direkte Blockade von Zytokinen durch Antikörper ist in der Therapie autoimmuner Entzündungserkrankungen von herausragender Bedeutung. Auch bei den CED haben drei Antikörper zur Inhibierung von TNF-α vor über einem Jahrzehnt einen Therapiewandel eingeleitet (Tabelle 1). In den letzten Jahren wurden weitere proinflammatorische Zytokine durch neue Antikörper in dieser Indikation adressiert.

Bereits seit den frühen 2000er-Jahren wird Infliximab, ein chimärer murin-humaner Antikörper gegen TNF-α, zur Behandlung beider CED eingesetzt. Infliximab wird zur Remissionsinduktion, oft in Kombination mit Methotrexat, gewichtsbezogen intravenös (auch bei Kindern ab sechs Jahren) appliziert. Zum Remissionserhalt wird die Dosis im sechs- bis achtwöchigen Abstand angewendet. Ein Biosimilar ist auch für subkutane Applikationen zugelassen.

Substanz, Handelsname (Beispiel) Target Zulassung Applikation Induktionstherapie Erhaltungstherapie
Infliximab, Remicade® und Biosimilars TNF-α CU, MC i.v. (s.c.*) 5 mg/kg KG initial
und in Wo 2 und 6
5 mg/kg KG alle 8 Wo
(120 mg s.c. alle 2 Wo)*
Adalimumab, Humira®, seit 2018 Biosimilars TNF-α CU, MC s.c. CU: 160 mg
MC: 80 mg
CU: 80 mg, dann 40 mg
MC: 40 mg alle 2 Wo
Golimumab, Simponi® TNF-α CU s.c. 200 mg 100 mg s.c. Wo 2,
50 mg alle 4 Wo
Ustekinumab, Stelara® und seit 2024 Biosimilars IL-12,
IL-23
CU, MC i.v., s.c. initial i.v. 260/390/520 mg entspr. Gewicht 90 mg s.c. alle 8 oder 12 Wo
Mirikizumab, Omvoh® IL-23 CU, MC i.v., s.c. CU: 300 mg i.v.
MC: 900 mg i.v.
Yin Wo 0, 4 und 8
CU: 200 mg s.c. mtl.
MC: 300 mg s.c. mtl.
Risankizumab, Skyrizi® IL-23 CU, MC i.v., s.c. CU: 1200 mg i.v.
MC: 600 mg i.v.
in Wo 0, 4 und 8
CU: 180 oder 360 mg s.c.
MC: 360 mg s.c. alle
8 Wo
Guselkumab, Tremfya® IL-23 CU, MC i.v., s.c. 200 mg i.v. in Wo 0, 4 und 8 100 mg s.c. alle 8 Wo
Vedolizumab, Entyvio® Integrin α4β7 CU, MC i.v., s.c. 300 mg i.v. in Wo 0, 2 und 6 300 mg i.v. alle 8 Wo
oder 108 mg s.c.
alle 2 Wo
Tabelle 1: Übersicht über parenteral applizierte Arzneimittel sowie deren Zielstrukturen und Dosierungen für die Therapie schwererer Verlaufsformen beider CED; * Infliximab-Biosimilar Remsima® s.c.

Adalimumab, ein humaner IgG1-Antikörper gegen TNF-α, wird subkutan zur Remissionsinduktion eingesetzt und in der Erhaltungstherapie dann 14-tägig in niedrigerer Dosierung appliziert.

Golimumab ist ein weiterer humaner IgG1-Antikörper gegen TNF-α und wird initial, allerdings nur bei CU, subkutan in zweiwöchigem Abstand appliziert, gefolgt von monatlichen Anwendungen entsprechend Gewicht und Krankheitsparametern der Patienten.

Für die Auswahl der drei Wirkstoffe gibt es keine klaren Präferenzen. Viele Fachärzte favorisieren die intravenöse Anwendung von Infliximab in Kombination mit MTX. Bei den beiden anderen Antikörpern überwiegt die Anwendung als Monotherapie.

Allerdings bergen TNF-α-Antikörper bei initial guten Ansprechquoten ein jährliches Wirkverlustrisiko, was bei MC-Patienten bei 13 bis 20 Prozent liegt und zu einer mittleren Rückfallquote nach zehn Jahren von 70 bis 80 Prozent führt (6). Verantwortlich dafür ist die Ausbildung von Antidrug-Antikörpern, die in der Regel eine Therapieumstellung erfordern (7, 8). Als Alternativen stehen weitere Zytokinantagonisten bereit.

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