Die wichtigsten Symptome der chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen sind starke Bauchschmerzen und Durchfälle, die die Patienten massiv belasten. / © Adobe Stock/asbe24
Behandlungsziele sind nicht mehr nur die Bekämpfung von Krankheitsschüben, sondern eine dauerhafte Heilung der entzündeten Mukosabereiche, um Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) ein Leben ohne Einschränkungen zu ermöglichen. Greifbar wurde dieser Paradigmenwechsel im therapeutischen Anspruch durch neue Wirkstoffe, die die klassische Basistherapie innovativ erweitern. Die Therapie fußt auf therapeutischen Leitlinien, die jährlich angepasst werden (Living guidelines) und damit die hohe Dynamik von Entwicklung und Anwendung neuer Wirkprinzipien widerspiegeln. Ein Spektrum hocheffizienter Arzneistoffe ermöglicht eine individualisierte Behandlung entsprechend der Krankheitsparameter und Anamnesen, wobei die Leitlinien viel Freiheit zur Wirkstoffauswahl lassen.
In diesem Artikel werden die neuen Wirkprinzipien und Stoffklassen zur CED-Behandlung näher vorgestellt.
Der Begriff chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED) steht synonym für die beiden bekanntesten und verbreitetsten Krankheitsformen: Colitis ulcerosa (CU) und Morbus Crohn (MC).
Zwar unterscheiden sich die Krankheitsbilder hinsichtlich ihrer Lokalisation und Ausbreitung der Entzündungsherde im Gastrointestinaltrakt, aber sie weisen große Analogien auf. Funktionell in Form von nicht vorhersehbaren Schüben mit schwerer Symptomatik, die die Lebensqualität der Patienten stark beeinträchtigen können, und pathologisch durch die autoimmune Genese der Entzündung. Daher gelten beide Erkrankungen auch heute noch als unheilbar.
CED sind keine Alterserkrankungen. Typischerweise sind Patienten bei der Erstdiagnose zwischen 15 und 35 Jahre alt. Eine hohe Prävalenz weltweit manifestiert sich auch in den deutschen Statistiken. Etwa 300.000 CU-Erkrankte sowie circa 250.000 MC-Patienten werden bei nur leicht steigender Inzidenz in Deutschland benannt.
Bei Colitis ulcerosa sind die oberflächlichen Schleimhautschichten des Kolons von einer chronisch-rezidivierenden Entzündung betroffen. Die Erkrankung beginnt im Rektum und breitet sich unbehandelt kontinuierlich in proximal gelegene Kolonabschnitte aus. Männer sind etwas häufiger betroffen. Typische Symptome sind krampfartige, oft im linken Unterbauch lokalisierte Schmerzen sowie blutig-schleimige Durchfälle. Die dauerhafte Entzündung des Kolons wird als Risikofaktor für die Entstehung von Kolonkarzinomen angesehen.
Dagegen sind die Entzündungsareale bei Morbus Crohn diskontinuierlich und segmental im gesamten Gastrointestinaltrakt verbreitet, wobei der Übergang vom Dünn- zum Dickdarm häufig betroffen ist. Im Unterschied zu CU können alle Wandbereiche der Mukosa erkranken, sodass neben einer entzündlichen Verdickung der Mukosa auch Fisteln und Abszesse auftreten können, die oftmals eine Operation erfordern. Die wichtigsten Symptome sind starke Bauchschmerzen, Durchfälle, Gewichtsabnahme sowie eine Eisenmangelanämie.