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NVL Asthma

Was ist neu in der Therapie?

Die Empfehlung einer bedarfsweisen Gabe der LABA-ICS-Fixkombination in Stufen 1 und 2 bedeutet derzeit einen haftungseinschränkenden Off-Label-Einsatz. Der Off-Label-Gebrauch setzt aus Sicht der Leitlinie

  • eine nachgewiesene Wirksamkeit,
  • ein günstiges Nutzen-Risiko-Profil und
  • das Fehlen von Alternativen voraus.

Im Fall der ICS-LABA-Fixkombination sind die Kriterien nur zum Teil erfüllt. Auch die in den Therapiestufen 3 und 4 vorgesehenen langwirksamen M-Cholinozeptorenblocker und LAMA-Kombinationen (Abbildung 2) sind aktuell nicht durchgängig für die Asthmatherapie zugelassen.

Wer bekommt SABA, wer die Fixkombination?

Patienten, deren Asthma in Stufe 1 mit SABA bei Bedarf ausreichend gut kontrolliert ist (Tabelle 2), sollen bevorzugt hiermit behandelt werden. Dagegen profitieren besonders solche Patienten von der Fixkombination, bei denen eine Asthmakontrolle mit einer maximal zweimal wöchentlichen, bedarfsweisen SABA-Gabe nicht gelingt, die aber für eine ICS-Langzeittherapie nicht ausreichend adhärent sind.

Der Verdacht einer Übertherapie lässt sich auch im Hinblick auf die Empfehlungen zur Therapieeinleitung entkräften. Bei bisher unbehandelten Patienten mit teilweise kontrolliertem Asthma soll die Therapie in der Regel auf Stufe 2 eingeleitet werden. Weisen bisher unbehandelte Patienten ein unkontrolliertes Asthma auf, soll die Langzeittherapie mindestens auf Stufe 3 aufgenommen werden. Anzustreben ist also eine angemessen aggressive, rasch kontrollierende Initialtherapie und nicht etwa eine langsame Aufdosierung beginnend mit Stufe 1, da dies stets die Gefahr birgt, dass die Asthmasymptome über lange Zeit mit steigenden, nicht immer kommunizierten Reliever-Dosen maskiert werden, ohne die Entzündung einzudämmen.

Da eine Diagnose eines kontrollierten Asthmas wenig wahrscheinlich ist, wird ersichtlich, dass die Stufen 2 und 1 üblicherweise im Rahmen eines schrittweisen Step-down bei dauerhaft gut kontrollierter Erkrankung erreicht werden. Der Verordner kann und soll die konkrete Präparateauswahl auf diesen Stufen von der patientenindividuellen Einschätzung der Adhärenz abhängig machen.

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