| Christina Hohmann-Jeddi |
| 21.04.2026 15:00 Uhr |
Die richtige Inhalationstechnik ist entscheidend für den Therapieerfolg. / © Getty Images/Imgorthand
Asthma bronchiale zählt zu den häufigsten chronischen Erkrankungen im Kindesalter – in Deutschland sind etwa 3 bis 5 Prozent betroffen. »Bei 50 Prozent der Kinder mit Asthma bronchiale ist die Erkrankung nicht kontrolliert«, berichtete Dr. Katja Renner von der Apotheke im Medizinzentrum in Heinsberg bei einer Fortbildungsveranstaltung der Apothekerkammer Sachsen-Anhalt in Wernigerode. Obwohl Leitlinien und gute Devices zur Therapie vorliegen, erreichen viele das erklärte Ziel der Leitlinie »Kontrolle des
Asthmas« nicht. Hier könne das Apothekenteam einiges tun, um die Lücke zwischen den therapeutischen Möglichkeiten und der Realität im Kinderzimmer zu verkleinern, sagte die Pharmazeutin.
In der Apotheke lässt sich nämlich der Grad der Asthmakontrolle – etwa bei Belieferung von Wiederholungsrezepten – leicht ermitteln. Hierfür seien nur vier Fragen nötig: Hatte das Kind in den vergangenen vier Wochen:
Wenn kein Kriterium erfüllt sei, funktioniere die Therapie und die Erkrankung sei gut kontrolliert. »Hier kann man die Eltern positiv bestärken«, so Renner. Bei ein bis zwei erfüllten Kriterien liege ein teilweise kontrolliertes Asthma vor, bei dem schon nachjustiert werden sollte. »Bei drei bis vier erfüllten Kriterien ist das Asthma unkontrolliert.« Dann müsse nach Gründen gesucht werden, wie fehlerhafte Inhalationstechnik, mangelnde Adhärenz oder Art der Therapie, und gegebenenfalls eine ärztliche Abklärung empfohlen werden.
Wie sieht eine leitliniengerechte Asthma-Therapie aus? Diese erfolgt nach einem Stufenschema angepasst an den Schweregrad der Erkrankung. In Stufe 1 erfolge eine Bedarfsmedikation mit einem kurzwirksamen β2-Sympathomimetikum (SABA). Wenn die Bedarfsmedikation nicht ausreiche, seien inhalative Glucocorticoide (ICS) die Basis der Langzeittherapie. Sie gehörten standardmäßig an die Seite der β-Mimetika beziehungsweise der Bronchodilatatoren, um die Hyperreagibilität in den Bronchien zu reduzieren. »Keine Monotherapie mit langwirksamen β2-Sympathomimetika (LABA) ohne ICS«, betonte Renner. Bei Bedarf kann die antientzündliche Therapie eskaliert, also die ICS-Dosis erhöht oder ein Leukotrienrezeptor-Antagonist gegeben werden. Bei schweren Fällen werden Antikörperpräparate eingesetzt.
Zu einer guten Therapie gehört laut Leitlinie auch die Einweisung in das Inhalationssystem durch die Arztpraxis oder die Apotheke, also die pDL Inhalativa, sagte die Apothekerin. »Wir sind in der Leitlinie mehrfach genannt als Stelle, die dafür Sorge trägt, die Inhalationstechnik sicherzustellen.«
Was vor allem bei den Erwachsenen Patienten mit Asthma, aber zunehmend auch bei den Kindern eine Rolle spielt, ist der Einsatz einer Fixkombination von niedrigdosiertem ICS und dem SABA Formoterol in den Stufen 1 und 2. »Dies wirkt schnell im akuten Anfall und auch als Langzeittherapie morgens und abends genommen für zwölf Stunden dilatatorisch«, sagte Renner. In Studien habe diese sogenannte SMART-Therapie (single inhaler maintenance and reliever therapy) zu einem Absinken der Hospitalisierungsrate bei Patienten mit Asthma geführt.
Dabei wird die Fixkombination in den Leitlinien zwar schon für die Stufen 1 und 2 empfohlen, ist aber erst ab Stufe 3 zugelassen. Für Kinder sind diese Präparate ohnehin erst ab zwölf Jahren zugelassen, sagte Renner. Sie werden zum Teil aber off label eingesetzt. Über Privatrezepte für GKV-versicherte Kinder mit dieser Fixkombination sollte man sich in Apotheken daher nicht wundern.