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Warken im Kanzleramt
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Was heißt das für die Pharmaindustrie?

Nina Warken (CDU) wurde in ihrer Funktion als Gesundheitsministerin dafür kritisiert, die Pharmaindustrie beispielsweise beim GKV-Spargesetz verschont zu haben. Nun wird sie Kanzleramtschefin, was auch Auswirkungen auf die Pharmabranche haben könnte. Denn die Regierung arbeitet derzeit an einer Pharmastrategie.
AutorKontaktAlexandra Amanatidou
Datum 24.07.2026  15:10 Uhr

In einer Pressekonferenz gab Bundeskanzler Friedrich Merz heute bekannt, dass Nina Warken neue Kanzleramtschefin wird und somit Thorsten Frei (beide CDU) ersetzen wird. Vor dem Hintergrund der im Herbst startenden Pharmastrategie, die eine Fortsetzung des Pharmadialogs darstellt, stellt sich die Frage, ob sich die Besetzung des Postens durch die ehemalige Gesundheitsministerin positiv auf die Branche auswirken könnte. Denn nach über einem Jahr im Amt kennt Warken die Vertreterinnen und Vertreter der Industrie gut.

Diese Erwartung hat der SPD-Gesundheitspolitiker Matthias Mieves, der auch für das Fachforum industrielle Gesundheitswirtschaft seiner Fraktion zuständig ist, bereits in einem Pressestatement formuliert. Gesundheit müsse für das Kanzleramt zur absoluten Priorität werden, so Mieves. »Das betrifft die Sicherung einer guten medizinischen Versorgung ebenso wie eine nachhaltige Finanzierung unseres Gesundheitssystems und die Stärkung der industriellen Gesundheitswirtschaft als Schlüsselbranche für unseren Wirtschaftsstandort«, so der SPD-Politiker.

Bereits in ihrer Funktion als Gesundheitsministerin hat die 47-Jährige für Unruhe bei der Erarbeitung des GKV-Spargesetzes gesorgt, da dieses laut der Opposition die Pharmaindustrie bevorzugt behandle – ein Vorwurf, den die Pharmabranche zurückweist. »Frau Warken ist beim Beitragsstabilisierungsgesetz einseitig großen Pharmaunternehmen entgegengekommen«, sagt der gesundheitspolitische Sprecher der Linken, Ates Gürpinar, gegenüber der PZ. Er kritisiert, dass Patientinnen, Patienten, Leistungserbringerinnen und Leistungserbringer unter ihren Plänen leiden werden. »Ich möchte mir nicht ausmalen, was diese Denkweise im Kanzleramt anrichten kann.«

Pro Generika: »Eine gute Nachricht«

Bork Bretthauer, Geschäftsführer von Pro Generika, bewertet den Wechsel gegenüber der PZ als eine gute Nachricht. »Als ehemalige Gesundheitsministerin weiß Warken, in welcher Lage sich die Grundversorgung mit Generika befindet und dass es Schritte braucht, um diese zu stabilisieren«, so Bretthauer.

»Nina Warken hat das Gesundheitsressort in einer anspruchsvollen Phase geführt und auch in Phasen den Dialog mit der pharmazeutischen Industrie aufrechterhalten, in denen wir sehr unterschiedliche Einschätzungen über gesundheitspolitisch notwendige Schritte hatten«, bekräftigt Dorothee Brakmann, Hauptgeschäftsführerin von Pharma Deutschland, laut einer Pressemitteilung des Verbands. Auch die Leitung Linnemanns sieht der Verband positiv. Mit ihm würde ein »erfahrener Wirtschaftspolitiker« das Ministerium übernehmen, der »die Bedeutung einer starken industriellen Basis für Wohlstand, Beschäftigung und Souveränität« kenne.

BPI: Warken kann dem »Pharmadialog nur nutzen«

Aus Sicht des Bundesverbands der Pharmazeutischen Industrie (BPI) kann es dem »Pharmadialog nur nutzen«, dass die bisher zuständige Ministerin nun im Kanzleramt sitzen wird. »Wir würden uns wünschen, dass auch andere Ministerien, allen voran die Spitze des Wirtschaftsministeriums viel aktiver an diesem Dialog teilnehmen würden«, so ein Sprecher des Verbands gegenüber der PZ. 

Auf die Zusammenarbeit sowohl mit Linnemann als Gesundheitsminister als auch mit Warken als Kanzleramtschefin freut sich der Verband der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa). Auf Anfrage der PZ erklärte der vfa, dass »jetzt der Zeitpunkt für eine politische Neuausrichtung« sei.

Ein gutes Zeichen für die Branche könne darin bestehen, dass der Kanzler bei der Ankündigung seines Postenwechsels die Bedeutung des Gesundheitssektors für die Wirtschaft des Landes hervorhob und dabei auch die Pharmaindustrie erwähnte.

Grund für die Umstrukturierungen ist der Rücktritt von Jens Spahn. Der CDU-Politiker und sein Mann hatten bekannt gegeben, dass sie Eltern geworden sind. Eine Leihmutter in den USA brachte ihren Sohn zur Welt. Spahn war von 2018 bis 2021 Bundesgesundheitsminister – in seinen Zuständigkeitsbereich fiel damit das Embryonenschutzgesetz, in dem das Verbot von Leihmutterschaften geregelt ist. In der Union brach ein Sturm der Empörung los, der vor einer Woche zu Spahns Rücktritt als Unionsfraktionschef führte und eine Debatte über Leihmutterschaft in Deutschland startete.

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