| Theo Dingermann |
| 24.08.2026 16:20 Uhr |
Weniger überzeugend schnitten viele Supplemente ab. In dieser Kategorie untersuchten die Forschenden unter anderem Omega-3-Fettsäuren, Folat, Vitamin B12 plus Folat sowie verschiedene kommerzielle oder botanische Präparate.
Auf Gruppenebene zeigte sich kein signifikanter Rückgang des epigenetischen Alters. Auch bei einigen viel diskutierten experimentellen Longevity-Strategien mahnen die Daten zur Zurückhaltung. So zeigten mehrere Studien mit senolytischen Kombinationen teilweise Veränderungen verschiedener epigenetischer Uhren in entgegengesetzte Richtungen. Einige biologische Uhren im Körper liefen rückwärts (Verjüngung), während andere vorwärts liefen (Alterung). Selbst derselbe Biomarker reagierte zwischen einzelnen Studien nicht immer konsistent.
Die Pressemitteilung der Yale University bringt das Ergebnis zugespitzt auf den Punkt: Ernährung, Bewegung und bestimmte Medikamente zeigen messbare Effekte, während frei verkäufliche Supplemente nur wenig Einfluss erkennen lassen. Dies steht teilweise im Widerspruch zu älteren Studien wie der chinesischen COSMOS-Studie. Darin ließ die tägliche Einnahme eines Multivitamin-Präparats die biologische Uhr ein wenig langsamer ticken.
Mindestens ebenso bedeutsam wie die Bewertung einzelner Interventionen ist ein weiteres Ergebnis der Arbeit: Die Wahl des Biomarkers entscheidet maßgeblich darüber, ob sich ein Effekt überhaupt nachweisen lässt. Ältere Uhren der ersten Generation, etwa die Horvath- oder die Hannum-Clock, erwiesen sich als vergleichsweise wenig konsistent. Deutlich empfindlicher reagierten modernere und technisch robustere Marker der zweiten Generation, die gezielt auf das Mortalitätsrisiko oder die Geschwindigkeit des Alterns trainiert wurden.
Besonders überzeugend waren DunedinPace, PCGrimAge und SystemsAge. DunedinPace zeigte unter allen untersuchten Biomarkern die stärkste Reaktionsfähigkeit, während PCGrimAge statistisch besonders konsistente Ergebnisse lieferte. Die Autoren empfehlen daher, künftige Interventionsstudien bevorzugt auf solche modernen Uhren zu stützen.
Noch einen Schritt weiter gehen sogenannte erklärbare GenX-(generation explainable)-Biomarker. Statt das biologische Alter auf einen einzigen Zahlenwert zu reduzieren, machen sie Veränderungen einzelner Organsysteme oder biologischer Prozesse sichtbar. So wirkte sich ein Rauchstopp besonders auf einen Lungenscore aus, während Metformin vor allem Signale aus Entzündungs-, Gehirn- und Stoffwechselachsen beeinflusste.