| Theo Dingermann |
| 24.08.2026 16:20 Uhr |
Eine weitere wichtige Beobachtung betrifft den Gesundheitszustand der Studienteilnehmer. Bei Menschen mit Erkrankungen reagierten viele Biomarker deutlich stärker als bei gesunden Probanden. PCPhenoAge, SystemsAge, GrimAgeV2 und PCGrimAge zeigten beispielsweise in erkrankten Populationen größere Veränderungen. DunedinPace erwies sich dagegen vergleichsweise robust und reagierte in gesunden und erkrankten Personen ähnlich.
Das hat Konsequenzen für die Interpretation von Longevity-Studien. Eine Intervention, die bei Menschen mit metabolischen oder entzündlichen Erkrankungen eine deutlich verjüngende Signatur erzeugt, muss bei Gesunden nicht denselben Effekt haben. Wo bereits eine biologische Dysregulation vorliegt, besteht schlicht mehr Spielraum für messbare Verbesserungen.
So faszinierend die Ergebnisse dieser Arbeit sind: Das grundlegende Problem epigenetischer Altersmessungen lösen sie noch nicht. Ein niedrigerer Wert auf einer epigenetischen Uhr bedeutet nicht automatisch langsameres Altern, weniger Erkrankungen oder ein längeres Leben. Die Forschenden betonen ausdrücklich, dass bislang unklar ist, ob kurzfristige Veränderungen dieser Biomarker tatsächlich langfristige Verbesserungen bei Krankheitshäufigkeit, gesunder Lebensspanne oder Lebensdauer vorhersagen.
Hinzu kommen erhebliche methodische Einschränkungen. Translage bündelt sehr unterschiedliche Studien mit verschiedenen Populationen, Laufzeiten, Interventionen, Stichprobengrößen und Studiendesigns. Die Analyse eignet sich daher vor allem, um die Reaktionsfähigkeit von Biomarkern zu vergleichen. Die klinische Wirksamkeit einzelner Anti-Aging-Maßnahmen lässt sich damit jedoch nicht abschließend bewerten.
Die eigentliche Bedeutung der Arbeit liegt deshalb weniger darin, bereits einen Gewinner im Rennen um die beste Anti-Aging-Therapie auszurufen. Vielmehr zeigt sie erstmals systematisch, welche Messinstrumente geeignet sein könnten, dieses Rennen überhaupt wissenschaftlich zu verfolgen.