| Theo Dingermann |
| 24.08.2026 16:20 Uhr |
Biologische Alterenuhren sind mathematische Modelle. Sie messen das biologische Alter von Zellen und Geweben anhand der DNA-Methylierung. / © Adobe Stock/Darika
Lassen sich die Effekte potenzieller Longevity-Interventionen messen, ohne jahrzehntelang auf Erkrankungen oder Todesfälle als klinische Endpunkte warten zu müssen? Dieser Frage gingen Forschende um Dr. Raghav Sehgal vom Department of Psychiatry der Yale University School of Medicine in New Haven, USA, nach. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie im Fachjournal »Nature Medicine«.
Dafür bauten die Forschenden die Datenbank »Translage« auf. Sie vereint 51 longitudinale Humanstudien mit insgesamt 3128 Blutproben vor und nach unterschiedlichen Interventionen. Alle Datensätze wurden nach einem einheitlichen Verfahren ausgewertet. Die Forschenden berechneten 16 etablierte epigenetische Uhren sowie 94 weitere DNA-Methylierungsmarker (DNAm). So konnten sie mehr als 110 DNAm-Biomarker parallel darauf untersuchen, ob und wie stark diese auf Interventionen reagieren.
Für die Longevity-Forschung ist dabei nicht entscheidend, ob eine epigenetische Uhr Morbidität und Mortalität vorhersagt. Soll sie in Interventionsstudien als Surrogatendpunkt dienen, muss sie zuverlässig auf Maßnahmen ansprechen, die den Alterungsprozess beeinflussen. Genau diese Reaktionsfähigkeit stand im Zentrum der aktuellen Studie.
Die Forschenden untersuchten 51 Interventionen und teilten sie in vier Kategorien ein: pharmakologische Behandlungen, Lebensstilinterventionen einschließlich Ernährung und Bewegung, Nahrungsergänzungsmittel (NEM) sowie medizinische Verfahren wie hyperbare Sauerstofftherapie, Organtransplantationen oder Gentherapie.
Das Ergebnis fällt bemerkenswert deutlich aus: Nur pharmakologische und Lebensstilinterventionen führten über verschiedene epigenetische Uhren hinweg zu einer signifikanten Abnahme des epigenetischen Alters. Der mittlere Effekt der Arzneimittelinterventionen war dabei mehr als doppelt so groß wie jener der Lebensstilmaßnahmen. NEM und medizinische Verfahren erreichten als Gruppen keinen vergleichbaren Effekt.
Von den untersuchten Einzelinterventionen senkten letztlich 13 das epigenetische Alter signifikant. Fünf waren dagegen mit einer Zunahme des epigenetischen Alters verbunden, und 26 zeigten keinen signifikanten Effekt. Das unterstreicht eine wesentliche Botschaft der Studie: Nicht alles, was als »Anti-Aging« oder »Longevity« vermarktet oder diskutiert wird, hinterlässt in biologischen Alterungsmarkern ein nachweisbares Signal.
Unter den pharmakologischen Ansätzen fielen insbesondere Anti-TNF-Therapien und Metformin durch ausgeprägte und konsistente Veränderungen der DNAm-Biomarker auf. Die Autoren vermuten dahinter unter anderem Effekte auf zentrale Entzündungs- und Stoffwechselwege. Auch Semaglutid gehörte zu den untersuchten pharmakologischen Interventionen.
Die Forschenden betonen, dass ihre Ergebnisse keinesfalls als Nachweis zu verstehen sind, dass Metformin, Semaglutid oder Anti-TNF-Wirkstoffe bei gesunden Menschen als Anti-Aging-Medikamente eingesetzt werden sollten. Denn untersucht wurde primär die Reaktion von Biomarkern, nicht eine Verlängerung der Gesamt- oder gesunden Lebenszeit.