| Jennifer Evans |
| 21.08.2026 09:00 Uhr |
Kollaps einer Armee: Viele von Napoleons Männern kamen durch Infektionskrankheiten ums Leben. Nun kommen mehr Details ans Licht. / © Shutterstock/generiert mit KI
Als sich die Armee von Napoleon Bonaparte im Jahr 1812 aus Moskau zurückzog, verlor er 60 Prozent seiner Soldaten. Als Gründe hatte man Kälte, Hunger sowie diverse gesundheitliche Probleme gesehen. Neue DNA-Analysen zeigen jedoch, dass gleich mehrere bakterielle Erreger die Truppen in die Knie zwangen, wie aus einem Artikel im Fachjournal »Nature« hervorgeht. Demnach passierte der militärische Zusammenbruch nicht allein durch niedrige Temperaturen und Erschöpfung, sondern auch durch verschiedene Infektionskrankheiten. Die Studienergebnisse sind im Fachjournal »Current Biology« publiziert.
Mithilfe von Zahnproben einiger der seinerzeit 300.000 gefallenen französischen Soldaten stellten die Forschenden fest, dass Paratyphus und Rückfallfieber unter den Männern grassierten. Bislang galten Rickettsia prowazekii (Typhus) und Bartonella quintana (Schützengrabenfieber) als Mitverursacher der vielen Todesfälle. Diese hatten Wissenschaftler 2006 mittels Polymerase-Kettenreaktions-Analyse (PCR) in den Überresten einiger Soldaten gefunden. Die PCR-Methode, die Millionen von Kopien eines kurzen DNA-Segments erzeugt, eignet sich laut dem Artikel zwar, um bekannte Mikroorganismen nachzuweisen – weniger jedoch, um unerwartete Mikroben aufzuspüren.
Ausgestattet mit neuen Techniken, die alte DNA-Proben ergebnisoffen und umfassend auf Krankheitserreger untersuchen, versuchte das Forschungsteam vom Pariser Institut Pasteur nun 20 Jahre später, weitere Erreger zu identifizieren. Dabei stellte sich heraus, dass vier der 13 untersuchten Kämpfer Spuren von Salmonella enterica aufwiesen, während zwei weitere Menschen offenbar an Borrelia recurrentis litten. Das erste Bakterium verursacht Paratyphus und das zweite – von Läusen übertragen – Rückfallfieber.
Erstaunlich war für die Studienautorinnen und -autoren, dass die neuen Analysen keine Hinweise auf die früher nachgewiesenen Typhus- und Schützengrabenfieber-Erreger ergaben. Das führen sie auf die geringe Stichprobengröße oder die methodischen Unterschiede zwischen PCR und moderner Sequenzierung zurück.
Die Forschenden vermuten laut »Nature«-Beitrag, dass noch mehr Geheimnisse in den alten Proben der Fundstätte zu finden sind. Doch sie plädieren dafür, erst in einigen Jahren mit leistungsfähigeren Technologien wieder auf Spurensuche zu gehen. Denn: Die Paläogenetik entwickele sich zwar rasant, aber die Proben seien begrenzt, heißt es.