| Barbara Döring |
| 02.07.2026 14:30 Uhr |
Nicht erst im Mittelalter entwickelten Stämme des Pesterregers ihre tödliche Wirkung. Schon Steinzeitmenschen fielen ihnen zum Opfer. / © Getty Images/Kateryna Kon/Science Photo Library
Stämme des Pesterregers Yersinia pestis gab es schon vor der verheerenden Seuche in den Jahren von 1347 bis 1353. Morbidität und Mortalität bei Infektion mit den frühen Bakterien waren jedoch unklar. Bislang galt die Annahme, dass eine höhere Bevölkerungsdichte und veränderte Lebensweisen während des Übergangs vom nomadischen Leben der Jäger und Sammler hin zur sesshaften Lebensweise mit Landwirtschaft und Viehhaltung die Voraussetzungen für tödliche Pestepidemien schufen.
Forschende der Universität Kopenhagen fanden nun frühe Peststämme am Baikalsee in Ostsibirien, die mit zwei Ausbrüchen unter steinzeitlichen Jägern und Sammlern des mittleren Holozäns vor etwa 5500 Jahren in Verbindung stehen. Die Ausbrüche wies das Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern mit DNA-Analysen von Funden auf vier Jäger- und Sammler-Grabstätten nach.
Eine Rekonstruktion der Verwandtschaften zeigte, dass damals kleine Familienverbände betroffen waren, was auf eine Übertragung von Mensch zu Mensch schließen lässt. Vor allem bei Kindern von acht bis elf Jahren führte die Infektion zu einer akuten Sterblichkeit.
Die genetischen Unterschiede der neu entdeckten Stämme zum bekannten Yersinia-pestis-Erreger deuten darauf hin, dass diese vor etwa 5700 Jahren auftraten. Damit konnten die Forschenden zeigen, dass Pestausbrüche früher als bisher angenommen auftraten und schon damals tödlich waren. Wegen der großen örtlichen Distanz zu Pestausbrüchen im mittleren Holozän in Europa zweifeln die Wissenschaftler die bisherige Annahme zur Ausbreitung des Erregers an.
Die neuen Erkenntnisse und weitere genetische Analysen der gefundenen Peststämme verändern laut der Studinenautorinnen und -autoren das Verständnis der frühesten Pestausbrüche. Schon bevor der Erreger die effiziente Übertragung über Flöhe entwickelte, trugen alte Stämme wirkungsvolle Kombinationen von Virulenzfaktoren, die zu einer tödlichen Infektion führen konnten.
Grabfunde weisen darauf hin, dass die steinzeitlichen Menschen engen Kontakt zu Murmeltieren hatten und diese verzehrten, sodass die Forschenden davon ausgehen, dass infizierte Tiere die Pesterreger übertragen haben. Noch heute sind Murmeltiere in der Region um den Baikalsee ein Reservoir des Pesterregers.