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Schwangerschaft
Verantwortung mal zwei

Tabuthema vaginale Infektionen

Vaginale Infektionen treten in der Schwangerschaft häufig auf. Besonders gefährlich sind Streptokokken und Chlamydien; auf Letztere wird in Deutschland in der Frühschwangerschaft sogar generell gescreent. Das Problem: Sie können das ungeborene Kind gefährden und auch bei der Mutter für Komplikationen sorgen. Manche direkt, indem sie auf den Fetus übergehen. Andere, indem sie einen Abort oder eine Frühgeburt, meistens im Zusammenhang mit vorzeitiger Wehentätigkeit oder vorzeitigem Blasensprung, auslösen. Eine konsequente Therapie ist daher wichtig, auch wenn die Patientin symptomfrei ist. Der Arzt verschreibt ein geeignetes Antibiotikum (Tabelle 1).

Die Schwangerschaft erhöht auch das Risiko für vaginale Pilzinfektionen (Candidosen). Betroffen sind etwa 30 Prozent aller Schwangeren, bei mehr als 85 Prozent ist Candida albicans der Auslöser. Die Infektion kann dazu führen, dass sich das Scheidenmilieu verändert, was wiederum die Ansiedlung von gefährlichen Keimen begünstigen kann. Zudem ist zu beachten, dass die Hefepilze bei der Geburt auf die Mundhöhle und den Magen-Darm-Trakt des Neugeborenen übertragen werden; circa 80 Prozent der Babys sind betroffen.

Eine antimykotische Therapie ist ratsam, um Mundsoor und Windeldermatitis beim Kind zu vermeiden. Die Therapie kann mit Clotrimazol, Miconazol oder Nystatin in allen Phasen der Schwangerschaft erfolgen. Bei Nystatin gibt es Hinweise, dass es bei Schwangeren weniger wirksam ist (6, 7, 15). Den beiliegenden Applikator für die vaginale Anwendung sollten Schwangere allerdings nicht verwenden, um sich damit nicht versehentlich zu verletzen. Das Apothekenteam kann empfehlen, das Medikament mit dem Finger in die Scheide einzubringen.

Ebenfalls sehr verbreitet sind Infektionen mit Herpes-simplex-Virus Typ 2 (Herpes genitalis). Treten diese erstmals während der Schwangerschaft auf und bleiben unbehandelt, gehen die Viren bei etwa 50 Prozent der Spontangeburten auf das Kind über. Ein viel geringeres Risiko besteht bei rezidivierendem Herpes (etwa 1 bis 5 Prozent). Hier haben die Mütter bereits Antikörper gegen die Viren gebildet, die auch das Ungeborene schützen, da sie transplazentar übertragen werden.

Rücksprache mit dem Arzt ist im Zweifel immer ratsam, da neonatale Infektionen mit Herpes-Viren die Morbidität und Mortalität des Kindes erhöhen. Daher ist sowohl bei einer nachgewiesenen mütterlichen Primärinfektion als auch bei einem symptomatischen rezidivierenden Herpes genitalis eine systemische antivirale Therapie, vorzugsweise mit Aciclovir wichtig. Ist der Herpes genitalis zum Geburtstermin aktiv, ist ein Kaiserschnitt zu erwägen (15).

Auch bei Lippenherpes, der erstmals während der Schwangerschaft auftritt, sollte das Apothekenteam die Patientin zum Arzt schicken. Bei einer bekannten Herpesinfektion der Lippen kann die Frau diese wie gewohnt mit antiviralen Wirkstoffen zur lokalen Anwendung wie Penciclovir oder Aciclovir behandeln (6).

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