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MS-Therapie heute
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Variabler und zielgenauer

Fünf neu zugelassene Wirkstoffe seit 2020 und eine neue therapeutische Leitlinie im letzten Jahr: Die Pharmakotherapie der Multiplen Sklerose weist eine hohe Dynamik auf. Zeit für ein Update, das sich der Wirkung der neuen und bewährten Arzneistoffe im Immunsystem zuwendet und einen Blick in die Zukunft der Pharmakotherapie der MS wirft.
AutorKontaktGerd Bendas
Datum 14.07.2022  11:00 Uhr

Schwanger unter der Therapie

Durch die lebenslang notwendige Behandlung der MS stellen sich oftmals Fragen, inwieweit dies mit verschiedenen Lebensumständen zu vereinbaren ist. Beispielhaft soll hier auf einige Aspekte eingegangen werden.

Eine MS-Therapie ist auch in einer Schwangerschaft möglich, wobei die Frau bereits vorher therapeutisch gut eingestellt sein sollte. Jede Therapiefortführung muss individualisiert betrachtet werden. Einige Arzneistoffe sind aufgrund ihres Wirkmechanismus klar kontraindiziert: Teriflunomid, die S1PR-Modulatoren, Cladribin, Fumarate sowie die CD20-Antikörper.

Neuere Studien belegen, dass Beta-Interferone in Abstimmung mit dem behandelnden Neurologen angewendet werden können; 2019 erfolgte diesbezüglich eine Zulassungserweiterung durch die EMA. Dies deckt sich mit den Empfehlungen der Institution Embryotox (20). Auch Natalizumab gilt bei enger Kontrolle als anwendbar. Die Fortführung einer Therapie mit Alemtuzumab scheint akzeptabel, wenn dies zwingend erforderlich ist. Gleiches gilt für die Glatirameroide.

MS-Erkrankungen gelten nicht als Kontraindikation für Impfungen. Totimpfstoffe können jederzeit appliziert werden. Bei Lebendimpfstoffen sollte auf den Grad der Immunsuppression der Patienten geachtet und individuell entschieden werden. Dass durch Immunreaktionen infolge von Impfungen MS-Schübe ausgelöst werden, ist nicht belegt (21).

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