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Multiple Sklerose

Was ist neu in der Therapie?

Die Multiple Sklerose ist die häufigste autoimmun vermittelte Erkrankung des zentralen Nervensystems (ZNS). In Deutschland sind derzeit mehr als 250.000 Menschen von MS betroffen. In den letzten Jahren gab es zahlreiche neue Erkenntnisse in der Diagnostik und Therapie.
Katharina Holl
28.11.2021  08:00 Uhr

Der Erkrankungsgipfel der MS liegt zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr. Sie stellt somit die häufigste neurologische Erkrankung junger Erwachsener dar. Aber auch Kinder und ältere Menschen können erkranken (1). In den letzten Jahren hat die Zahl der Diagnosen in Deutschland auf derzeit 18 pro 100.000 Versicherte zugenommen (2). Es ist allerdings unklar, ob hierfür tatsächlich eine Zunahme der Erkrankungshäufigkeit oder die verbesserte Diagnostik verantwortlich ist.

Die MS ist autoimmun vermittelt. Eine besondere Rolle spielen zunächst periphere Lymphozyten, die Strukturen des ZNS angreifen. Dies führt zu multiplen Läsionen, die die Symptome und später bleibende Behinderungen auslösen. In späteren Phasen setzen sich entzündliche Prozesse im ZNS selbst weiter fort (3). Zu den häufigsten Symptomen eines Schubs zählen Sehstörungen auf einem Auge aufgrund einer Entzündung des Sehnervs (Optikusneuritis), Taubheitsgefühl und/oder Kribbeln in einem Arm oder Bein, Gang- oder Gleichgewichtsstörungen sowie Störungen der Blasen- oder Darmentleerung.

Man unterscheidet verschiedene Verlaufsformen (4):

  • Die schubförmig-remittierende MS (relapsing-remitting MS, RRMS) stellt anfangs die häufigste Form dar. Sie ist gekennzeichnet durch ein schubförmiges Auftreten; die Symptome können sich dazwischen vollständig oder unvollständig zurückbilden. Von dieser Form sind Frauen zwei- bis dreimal häufiger betroffen als Männer.
  • Die primär progrediente Form (PPMS) zeigt dagegen von Beginn an eine Progression ohne zwischenzeitliche Rückbildung der Symptome und Einschränkungen.
  • Aus der RRMS kann sich die sekundär progrediente Form (SPMS) entwickeln, bei der die Behinderung ebenfalls kontinuierlich fortschreitet. Aufgesetzte Schübe sind möglich.

Wenn die Diagnose einer MS bei der ersten klinischen Manifestation (noch) nicht möglich ist, weil beim Patienten in der Magnetresonanztomografie (MRT, Kernspintomografie) bisher keine räumliche und zeitliche Dissemination (siehe unten) nachweisbar ist, spricht man vom klinisch isolierten Syndrom (KIS) (5).

Aufgrund der umfangreichen Forschungsergebnisse der letzten Jahre wurde eine Aktualisierung der Leitlinie von 2012 erforderlich. Im Februar 2021 wurde die S2k-Leitlinie »Diagnose und Therapie der Multiplen Sklerose, Neuromyelitis-Optica-Spektrum- und MOG-IgG-assoziierte Erkrankungen« veröffentlicht (1). Die weitere Aktualisierung soll von nun an mindestens jährlich erfolgen, falls erforderlich auch früher (Living Guideline). Erstmals haben auch Betroffene und Patientenvertreter an der Leitlinie mitgearbeitet, um deren Bedürfnissen verstärkt Rechnung zu tragen. Welches sind die wichtigsten Neuerungen hinsichtlich Diagnostik und Therapie?

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