In den USA sind Wegovy-Tabletten bereits auf dem Markt. Hersteller Novo Nordisk wirbt mit einem vergleichbaren Abnehmeffekt wie mit der Spritze. / © Getty Images/PixelsEffect
Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA hat eine Zulassungserweiterung für Wegovy® mit dem Wirkstoff Semaglutid verabschiedet. Es handelt sich jedoch nicht um eine zusätzliche Indikation, sondern eine alternative Formulierung – neben der normalerweise wöchentlich zu applizierenden »Abnehmspritze« soll es demnächst eine einmal täglich einzunehmende Tablette mit 25 mg Semaglutid unter demselben Namen geben.
Bereits seit einigen Jahren auf dem Markt ist übrigens Rybelsus® – das Tabletten-Analogon zur Ozempic®-Spritze. Diese beiden Semaglutid-Präparate sind jedoch nur bei Typ-2-Diabetes zugelassen und niedriger dosiert (Rybelsus ist in den Stärken 3, 4 und 7 mg erhältlich), während die beiden Wegovy-Produkte explizit bei Adipositas zusammen mit einer Ernährungsumstellung und Bewegung für Personen mit Adipositas indiziert sind, oder bei Personen mit Übergewicht und mindestens einem gewichtsabhängigen Risikofaktor wie Diabetes, Bluthochdruck, zu hohem Cholesterol, Schlafapnoe oder einer kardiovaskulären Erkrankung.
Einen Unterschied gibt es: Während die Spritze schon ab zwölf Jahren zugelassen ist, dürfen die Tabletten nur bei Erwachsenen zum Einsatz kommen.
Die EMA betont, dass die Tabletten nur auf Rezept erhältlich sein werden. Das Medikament muss einmal täglich auf leeren Magen eingenommen werden. Das bedeutet mindestens acht Stunden Fastenphase vor der Einnahme. Danach sollten die Patienten 30 Minunten warten, bevor sie etwas essen, trinken oder andere Medikamente einnehmen.
Sicherheit und Wirksamkeit der Arzneiform wurden in einer Phase-III-Studie mit 307 Patientinnen und Patienten getestet. Die Einnahme erfolgte über 64 Wochen. Die Teilnehmenden verloren unter den Semaglutid-Tabletten im Schnitt 13,61 Prozent ihres ursprünglichen Körpergewichts gegenüber einem Minus von 2,18 Prozent in der Placebogruppe, schreibt die EMA. Etwa drei von vier Patienten (76,3 Prozent) erreichten den Endpunkt, mindestens 5 Prozent ihres Ausgangskörpergewichts zu verlieren, gegenüber 30,5 Prozent unter Placebo. Zum Vergleich: Das liegt etwas unter den Werten, die die Teilnehmenden der Wegovy-Injektions-Studien erreichten. Novo Nordisk selbst spricht von durchschnittlich 16,6 Prozent Gewichtsverlust bei adhärenten Patienten.
Die häufigsten Nebenwirkungen waren gastrointestinale Beschwerden wie Übelkeit, Durchfall, Verstopfung, Bauchschmerzen, Dyspepsie und Erebrechen. Sie traten vor allem zu Therapiebeginn auf. Das Sicherheitsprofil war vergleichbar mit dem der wöchentlichen subkutanen Injektionen. Über die Zulassung muss nun die EU-Kommission entscheiden.