Manche Nebenwirkungen wie das Aufkommen bislang unterdrückter Emotionen wie Wut und Trauer sind Teil der Therapie. Auch negative Veränderungen sollten Patienten bei ihrem Therapeuten ansprechen. / © Getty Images/Tom Werner
»Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder in Ihrer Apotheke« – einen solchen Hinweis gibt es zu fast jedem Medikament. Was vielen aber nicht bewusst ist: Auch wenn die Psychotherapie als wirksame Methode zur Behandlung psychischer und psychosomatischer Erkrankungen gilt, birgt sie Risiken und kann unerwünschte Nebenwirkungen haben. Ausführlich aufgeklärt werden Patientinnen und Patienten aber längst nicht immer.
»Eine Psychotherapie ohne Nebenwirkungen kann es nicht geben«, sagt Professor Dr. Bernhard Strauß vom Institut für Psychosoziale Medizin, Psychotherapie und Psychoonkologie am Universitätsklinikum Jena. Der Seniorprofessor beschäftigt sich seit Langem mit den Ursachen und Auswirkungen unerwünschter Effekte der Psychotherapie. Denn bei einer solchen Behandlung geht es darum, dass der Therapeut oder die Therapeutin gemeinsam mit dem Patienten über Gespräche etwas Grundlegendes ändern möchte.
Kommen bei dieser Form von Aufarbeitung beim Patienten oder bei der Patientin schmerzhafte Erinnerungen hoch oder sind sie etwa mit Ängsten konfrontiert, sind unangenehme Emotionen wie innere Unruhe oder Trauer und Wut wahrscheinlich. Das kann sich beispielsweise in Weinen oder Verzweifeltsein äußern. »Eine solche Art von Nebenwirkungen ist aber nötig, um das Problem in den Griff zu bekommen und den Weg für dauerhafte Veränderungen freizumachen«, so Strauß. In der Folge ist eine vorübergehende, aber notwendige Verschlechterung der Beschwerden des Patienten oder der Patientin möglich.
Das Spektrum der möglichen Nebenwirkungen ist relativ breit. Einige Beispiele:
Unerwünschte Effekte einer Psychotherapie können aber laut Strauß auch therapeutische Kunstfehler sein. So werden Maßnahmen bezeichnet, die nicht nach Fachstandard oder nicht mit gebotener Sorgfalt durchgeführt wurden und dadurch zu einem Schaden beim Patienten führen. Denkbar ist etwa, dass die Therapie zu früh endet, dass eine Therapie weitergeführt wird, obwohl das Verhältnis bereits gestört ist, oder auch grobes therapeutisches Fehlverhalten wie Übergriffe.
Daneben kann es auch zu einer starken emotionalen Bindung seitens der Patientin oder des Patienten gegenüber dem Therapeuten oder der Therapeutin kommen – dies kann für Patienten eine Belastung sein, wenn sie sich abhängig fühlen.