Schwerwiegende und überdauernde Negativentwicklungen finden sich nach vorsichtigen Schätzungen in etwa 10 Prozent aller Fälle, wie Linden sagt. Davon abzugrenzen seien jedoch Folgen von Behandlungsfehlern oder sogar kriminellem Verhalten, wie zum Beispiel sexuelle Übergriffe.
Die Form der Psychotherapie ist dabei in aller Regel nicht entscheidend. Prinzipiell können Strauß zufolge alle Formen von Psychotherapien Risiken für Nebenwirkungen haben. Linden nennt ein Beispiel: Ein Mann leidet unter Angstattacken und macht eine Verhaltenstherapie. Zu der Behandlung gehört, dass der Patient unter therapeutischer Begleitung Situationen ausgesetzt wird, die Angst auslösen. Ist eine solche Exposition schlecht vorbereitet oder ist der Patient der Situation zu unvermittelt ausgesetzt, ist eine Retraumatisierung nicht ausgeschlossen – und in der Folge geht es dem Mann schlechter.
Wer unerwünschte Nebenwirkungen bemerkt, sollte das Gespräch mit dem Therapeuten oder der Therapeutin suchen. »Es ist wichtig, die festgestellten Veränderungen offen anzusprechen«, sagt Michael Linden. Womöglich ist es erforderlich, den therapeutischen Ansatz anzupassen. Wichtig ist auch ein offener Austausch mit dem Behandler. Eine Option kann sein, gemeinsam mit der Therapeutin oder dem Therapeuten Bewältigungsstrategien und Techniken zu erarbeiten, wie man außerhalb von Sitzungen mit Nebenwirkungen (etwa innere Unruhe oder Wut) umgehen kann.
»Hilft das nicht weiter, kann es sinnvoll sein, eine Zweitmeinung einzuholen«, sagt Linden. Wer die Psychotherapie dauerhaft eher be- als entlastend empfindet, sollte einen Therapeutenwechsel in Erwägung ziehen.