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Leberzirrhose
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Stumme Erkrankung mit schweren Folgen

Ein zirrhotischer Umbau der Leber ist eine häufige Erkrankung in Deutschland. Etwa 250 von 100.000 Menschen leiden daran. Durch die komplexen und vielfältigen Aufgaben, die die Leber im gesunden Organismus übernimmt, resultiert aus dem Verlust funktionsfähiger Leberzellen ein kompliziertes und meist progredientes Krankheitsbild.
AutorKontaktAnka Röhr
Datum 24.09.2023  08:00 Uhr

Terlipressin gegen portale Hypertension

Vasopressin ist das antidiuretische Hormon (ADH), das vom Hypothalamus ausgeschüttet wird, um den Wasserhaushalt zu regulieren. Es stimuliert die Wasserrückresorption in den Sammelrohren der Nierentubuli. Außerdem erhöht es den Widerstand in den Gefäßen des Magen-Darm-Kanals, was zu einer Senkung des Drucks in der Pfortader führt. Daher wirkt es sich günstig auf die portale Hypertension aus und verhindert Varizenblutungen.

Arzneilich werden vor allem Analoga von Vasopressin eingesetzt, bei Patienten mit Zirrhose vor allem Terlipressin, das eine längere Halbwertszeit hat als Vasopressin. Auch im akuten Nierenversagen bei hepatorenalem Syndrom kann Terlipressin verwendet werden. Die Substanz wird intravenös alle vier bis sechs Stunden appliziert und ist für eine orale Dauertherapie nicht geeignet. Häufig kommt es zu Hyponatriämien und kardialen Nebenwirkungen.

Vorsicht vor nierentoxischen Substanzen

Auch wenn Patienten mit zirrhotischer Lebererkrankung primär in ihrer Leberfunktion eingeschränkt sind, besteht ein erhebliches Risiko, dass nephrotoxische Substanzen eine kompensierte in eine dekompensierte Zirrhose mit hepatorenalem Syndrom umschlagen lassen. Daher ist die pharmazeutische Expertise bei der Begleitung dieser Patienten besonders gefragt.

Selbst der Einsatz vorwiegend nierenpflichtiger Substanzen ist nicht unproblematisch, da ein großer Teil der Patienten unter Mangelernährung und Kachexie leidet. Damit ist die geschätzte Kreatinin-Clearance ungeeignet für die adäquate Einschätzung der Nierenfunktion. Als alternativer Marker könnte die Bestimmung der Cystatin-C-Clearance zum Einsatz kommen (Fallbeispiel). Cystatin C ist unabhängig von der Muskelmasse der Patienten, was in dieser Konstellation einen relevanten Vorteil bietet; es ist in dieser speziellen Patientengruppe bisher nicht validiert.

Mitunter müssen nierenpflichtige Arzneistoffe in akut lebensbedrohlicher Situation mit maximaler Dosis eingesetzt werden. Ansonsten ist es ratsam, niedrig dosiert zu starten und nach klinischer Wirksamkeit langsam und in kleineren Schritten als üblich zu steigern. Die Auswahl von Substanzen möglichst ohne nephrotoxisches Potenzial ist sinnvoll.

Das gleiche Vorgehen ist auch für vorwiegend hepatisch metabolisierte Substanzen zu empfehlen. Der Child-Pugh-Score kann nicht verwendet werden, um die metabolische Kapazität der Leber vorherzusagen. Dies hängt unter anderem damit zusammen, dass die Enzymausstattung genetisch bedingt sehr unterschiedlich sein kann. Mit zunehmender Verschlechterung der Leberfunktion werden die Patienten empfindlicher für arzneimittelbedingte Nebenwirkungen.

Komplizierend kommt hinzu, dass viele Patienten durch ihren Lebenswandel wenig compliant bezüglich der Arzneimitteltherapie sind. Deshalb ist eine strenge Nutzen-Risiko-Bewertung der benötigten Arzneimitteltherapie vor allem bei fortschreitender Erkrankung dringend zu empfehlen. Apotheker können hier unterstützend tätig werden, um die Arzneimitteltherapie zu verschlanken.

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