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Sicher beraten
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Selbstmedikation im Alter 60+

Ein Drittel aller Menschen, die mit einem Selbstmedikationswunsch in die Apotheke kommen, ist älter als 60 Jahre. Die Beratung muss den Bedürfnissen älterer Menschen gerecht werden und physiologische Veränderungen und Grunderkrankungen mitbeachten.
AutorKontaktBarbara Staufenbiel
Datum 19.10.2023  10:30 Uhr

Venenbeschwerden lindern

Hitze, abnehmende Elastizität der Gefäße in den Beinen, undichte Epithelwände: Tritt Flüssigkeit aus den Blutgefäßen ins Gewebe über, entstehen Schwellungen in Knöcheln und Unterschenkeln. Venöses Blut staut sich und die Venenklappen, die für den Rückfluss des venösen Blutes sorgen, leiern aus. Zusätzlich belasten Übergewicht und mangelnde Bewegung. Die Haut wird dünn, Bindegewebe verhärtet und Wunden heilen schlecht. Die chronisch-venöse Insuffizienz (CVI) und das offene Bein sind mögliche Folgeschäden.

Die Kompressionstherapie ist Mittel der Wahl mit höchster Evidenz bei allen Formen der venösen Insuffizienz. Das Apothekenteam kann wichtige Hinweise zu Tragekomfort, Pflege und Anlegen der Strümpfe geben.

Orale pflanzliche Venenmittel wirken antientzündlich, verringern die Permeabilität und erhöhen den Tonus der Gefäße. Gemäß der S2k-Leitlinie »Diagnostik und Therapie der Varikose« ist die Wirksamkeit zur Linderung der Beschwerden evidenzbasiert erwiesen für standardisierte Extrakte aus Rotem Weinlaub (Vitis vinifera) mit Flavonoiden, Rosskastaniensamen (Hippocastani semen) mit Aescin sowie Echtem Buchweizen (Fagopyrum herba) mit Oxerutin und Troxerutin. Die Behandlung mit lokal anzuwendenden Venentopika ist nicht evidenzbasiert. Beschwerdelinderung durch Massagewirkung oder einen kühlenden Effekt durch Menthol sind möglich.

Zu fragen ist auch nach der Dauermedikation. Typisches Beispiel ist Amlodipin. Calciumkanalblocker vom Dihydropyridin-Typ wie Amlodipin oder Lercanidipin führen zur Entspannung arterieller Gefäße. Dadurch staut sich das Blut vor den Kapillargefäßen, besonders in den Beinen: Knöchel- und Beinödeme sind die Folge. Gefährdet sind vor allem ältere Frauen. Um eine Verschreibungskaskade zu vermeiden und bei stärkeren Beschwerden kann die Apotheke zusammen mit dem Arzt versuchen, die Patientin auf eine andere antihypertensive Therapie einzustellen.

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