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Sicher beraten
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Selbstmedikation im Alter 60+

Ein Drittel aller Menschen, die mit einem Selbstmedikationswunsch in die Apotheke kommen, ist älter als 60 Jahre. Die Beratung muss den Bedürfnissen älterer Menschen gerecht werden und physiologische Veränderungen und Grunderkrankungen mitbeachten.
AutorKontaktBarbara Staufenbiel
Datum 19.10.2023  10:30 Uhr

Haut und Schleimhäute pflegen

Die Haut ist unser größtes Organ. Im Lauf der Jahre nehmen Feuchtigkeitsbindung, Elastizität, Durchblutung, Unterhautfettgewebe und Zellerneuerung ab. Der Gehalt an Elastin, Kollagen, Eiweiß und Hyaluronsäure verringert sich. Die Haut wird dünn, trocken und empfindlicher. Das dünnere Unterhautfettgewebe verringert die Speicherung von Körperwärme; daher frieren ältere Menschen leichter.

Pigmentstörungen und Altersflecken lassen sich nur begrenzt durch eine Bleichcreme beeinflussen. Das Apothekenpersonal sollte Betroffene an das regelmäßig notwendige Hautkrebsscreening erinnern.

Trockene Haut und Schleimhäute belasten mit Juckreiz und erhöhter Empfindlichkeit (Tabelle2). Verschiedene Arzneimittel verschärfen die Situation, vor allem Stoffe mit anticholinerger Haupt- oder Nebenwirkung, Opioide mit verstärkter Histaminfreisetzung, Xanthinoxidase-Hemmstoffe (Allopurinol) mit Pruritus und die zahlreichen Arzneistoffe mit photosensibilisierender Wirkung (NSAR, Hydrochlorothiazid, Doxycyclin, Amiodaron). In der Apotheke sollte zu Sonnenschutz und ausreichendem Trinken geraten werden.

Um den angegriffenen Hydrolipidfilm der Haut zu verbessern, ist regelmäßige Hautpflege mit Moisturizern wie Hyaluronsäure, lipidreichen W/O-Emulsionen, Retinoiden und Kollagen zu empfehlen. Zubereitungen mit feuchtigkeitsbindendem Harnstoff lindern Juckreiz. Um eine zusätzliche Reizung der Haut zu vermeiden, sind möglichst pH-neutrale Produkte zu verwenden.

Vielen Frauen macht auch eine vaginale Trockenheit zu schaffen. Hier helfen lokal Estrogene sowie Zäpfchen, Cremes oder Gele mit Hyaluronsäure, Milchsäure, Hamamelis oder ein Liquigel mit einem Polysaccharid-Komplex.

Die Hauttrockenheit betrifft auch andere Schleimhäute (Tabelle 2). Für das Sicca-Syndrom der Augen kann neben dem Alterungsprozess auch die Medikation (Anticholinergika) Ursache sein. Die gestörte Benetzung der Augenoberfläche beruht auf einem multifaktoriellen Geschehen mit inflammatorischen Prozessen, die zu Sehstörungen, Reizungen, Entzündungen der Binde- oder Hornhaut und Schädigung der Augenoberfläche führen können. Das Apothekenpersonal sollte die regelmäßige Anwendung von befeuchtenden Konservierungsmittel-freien Augentropfen, zum Beispiel mit Hyaluronsäure, Povidon, Carbomer oder Cellulosederivaten, empfehlen.

Die trockene Schleimhaut der Nase behindert die mukoziliäre Clearance und erhöht die Infektanfälligkeit. Paradoxerweise macht sich dies neben der behinderten Nasenatmung auch durch ständiges Tröpfeln bemerkbar. Hier lindern Nasenpflegeprodukte mit Hyaluronsäure oder Meersalz das Problem.

Symptom mögliche Ursachen Allgemeinmaßnahmen und Selbstmedikation
Haut
abnehmende Elastizität, Pigmentstörungen, Faltenbildung, erhöhte Hautempfindlichkeit mit Juckreiz verringerter Gehalt der Haut an Elastin, Kollagen, Eiweiß, Hyaluronsäure
UAW: Anticholinergika, Opioide, photosensibilisierende Wirkstoffe
Sonnenschutz mit hohem UVA- und UVB-Filter
erhöhte Trinkmenge
regelmäßige Hautpflege mit Moisturizern wie Hyaluronsäure, lipidreichen W/O-Emulsionen, Retinoiden, Kollagen
Urea bei Juckreiz
Schleimhäute
vaginale Trockenheit sinkender Estrogenspiegel
altersbedingte Hautveränderungen
lokal Estrogene
Vaginalia mit Hyaluronsäure, Milchsäure, Hamamelis oder Liquigel mit Polysaccarid-Komplex
Sicca-Syndrom am Auge: Rötung, Fremdkörpergefühl, Kratzen, Brennen, Schleimabsonderung, Lichtempfindlichkeit UAW
altersbedingt trockene Haut sinkender Estrogenspiegel
befeuchtende, Konservierungsmittel-freie Augentropfen mit Hyaluronsäure, Povidon, Carbomer, Cellulosederivaten
trockene Nasenschleimhaut: behinderte Nasenatmung, tröpfelnde Nase UAW Nasenpflegeprodukte mit Hyaluronsäure oder Meersalz
Haare
dünne, graue, kraft- und glanzlose Haare, Haarausfall veränderte Haarwachstumsphasen
Hormonumstellung
verringerte Pigmentbildung
reizarme Shampoos mit Kräuterauszügen (Salbei, Amaranth, Sanddorn, Malve oder Ringelblumen), Kontrolle des Eisenspiegels
Tabelle 2: Nachlassende Funktionalität von Haut und Schleimhäuten und deren Behandlung; UAW: unerwünschte Arzneimittelwirkung

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