Eine Woche lang kamen zahlreiche Teilnehmende aus öffentlichen Apotheken, Krankenhausapotheken, der pharmazeutischen Industrie sowie Studierende, Pharmazeutinnen und Pharmazeuten im Praktikum in Südtirol zusammen. / © PZ/Alois Müller
Vom 31. Mai bis zum 5. Juni hat der Pharmacon Meran 2026 erneut eindrucksvoll gezeigt, warum er die bedeutendste Fortbildungsveranstaltung der Bundesapothekerkammer für Apothekerinnen und Apotheker ist. Es standen sowohl die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse als auch frische Impulse und inspirierende Begegnungen im Mittelpunkt. Neben zahlreichen Besucherinnen und Besuchern aus Deutschland konnte die Bundesapothekerkammer auch wieder Gäste aus Österreich, der Schweiz und Italien begrüßen.
Dr. Armin Hoffmann, Präsident der Bundesapothekerkammer, betonte in seiner Ansprache die besondere Rolle des Kongresses für »Wissen, Dialog und Zukunft« – gerade in einer Zeit, in der sich der Apothekerberuf so im Wandel befindet. »Wir werden künftig noch mehr Verantwortung übernehmen, gemeinsam mit den anderen Professionen Versorgung gestalten, um die Gesundheitsversorgung der Patientinnen und Patienten auch in der Zukunft zu sichern«, motivierte er die Teilnehmenden. Konkret wünscht er sich: »Wir möchten unsere Apotheken zu Zentren der Primärversorgung weiterentwickeln.« Zentral sei aber eine verlässliche und faire Honorierung. »Apotheken sind kein Kostenfaktor, sondern eine Investition in die Gesundheitsversorgung vor Ort.«
Nach der Eröffnungsrede wurden Dr. Klaus Gerlach, Manfred Krüger und Professor Dr. Dieter Steinhilber mit der Lesmüller-Medaille für ihre Verdienste um die Pharmazie in Deutschland ausgezeichnet. Im anschließenden Eröffnungsvortrag »Medizin der Zukunft« ging Professor Dr. Heyo K. Kroemer nicht nur auf die künftigen Herausforderungen des deutschen Gesundheitssystems ein. Mit den Perspektiven von innovativen Therapien, dem wachsenden Einsatz von KI und digitalen Lösungen bot der Vorstandsvorsitzende der Charité Berlin einen optimistischen Blick auf die nächsten Jahre.
Das weitere Programm punktete in diesem Jahr nicht nur mit spannenden Vorträgen, sondern auch mit besonders lebhaften Diskussionen, bei denen sich auch die zahlreichen Studierenden beteiligten. Fachlich standen aktuelle Erkenntnisse zu gastrointestinalen Erkrankungen – von häufigen Beschwerden bis hin zu komplexen Therapiesituationen –, innovative Therapiekonzepte und moderne Arzneiformen im Fokus.
Erstmals wurde zudem die geschlechtsspezifische Pharmazie als eigenes Schwerpunktthema aufgegriffen. Dabei beleuchteten die Referierenden Unterschiede in Pharmakotherapie, Wirksamkeit und Verträglichkeit ausgewählter Krankheitsbilder. Dieses neue Themenfeld wurde von den Teilnehmenden besonders positiv aufgenommen. Dass der Pharmacon innovativ und aktuell bleibt, zeigte auch die Vielzahl neuer Referentinnen und Referenten, die sich das erste Mal dem pharmazeutischen Fachpublikum präsentierten.
Metin Ergül, Geschäftsführer der Avoxa – Mediengruppe Deutscher Apotheker, die den Pharmacon organisiert, würdigte die besondere Rolle dieses Kongresses: »Der Pharmacon ist weit mehr als ein Fortbildungskongress. Er schafft Raum für Wissenstransfer auf höchstem Niveau, fördert den persönlichen Austausch und setzt Jahr für Jahr wichtige Impulse für die Weiterentwicklung des Berufsstandes.«
Zudem fand eine berufspolitische Diskussionsrunde statt. Unter dem Schwerpunkt »Dienstleistungen in der Apotheke: neue Aufgaben, neue Chancen« diskutierten der Vorstand der Bundesapothekerkammer interaktiv mit dem Publikum über die Ausgestaltung und die Möglichkeiten der Ausweitung des Dienstleistungsangebotes in Apotheken – insbesondere vor dem Hintergrund, dass die Bundesregierung den Apotheken vor Ort mehr Verantwortung übertragen möchte. Die Möglichkeit, Fragen direkt während der Diskussion einzubringen, wurde intensiv genutzt und unterstrich das große Interesse an berufspolitischen Entwicklungen.
Traditionell wurden die neuen Arzneimittel des Jahres 2025 von PZ-Chefredakteur Sven Siebenand vorgestellt und pharmazeutisch eingeordnet. Zudem wurde der PZ-Innovationspreis 2026 an Krystal Biotech für das Gentherapeutikum Beremagen geperpavec (Vyjuvek®) verliehen.
Darüber hinaus rundeten die gut besuchten Partner-Symposien von Dr. Willmar Schwabe zum Thema Tinnitus und von Aboca zum Thema Sodbrennen und Magenschmerzen das Programm ab. Weitere praxisnahe Impulse für den Apothekenalltag lieferte das Seminar »Durchblick im Dschungel der Nahrungsergänzungsmittel« von Professor Dr. Mona Tawab vom Zentrallaboratorium der Deutschen Apotheker. Die botanisch-wissenschaftliche Exkursion führte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in das Hinterpasseier.
Ergänzt wurde das Fachprogramm durch den erfolgreichen DPhG-Workshop für Studierende »Promovieren: Wie, wo und warum?«. Begleitet wurde die Fortbildungswoche zudem von einer wissenschaftlichen Ausstellung mit zahlreichen Mitmachaktionen an den Ständen, die den Teilnehmenden zusätzliche Einblicke und Austauschmöglichkeiten bot.
Neben den fachlichen Inhalten bot die Woche auch ein vielfältiges Rahmenprogramm, unter anderem mit einem Welcome-Aperitif, dem morgendlichem Lauftreff, dem beliebten Pharmacon-Quiz und der stimmungsvollen Dance Night, die das berufliche Gemeinschaftsgefühl weiter stärkten.
Viele Teilnehmende betonten, wie unmittelbar sie die vermittelten Inhalte in ihren Apothekenalltag übertragen können. Besonders hervorgehoben wurden der hohe wissenschaftliche Anspruch, die praxisnahe Aufbereitung der Inhalte sowie die besondere Atmosphäre der Fortbildungswoche. Für die Teilnahme konnten bis zu 46 Fortbildungspunkte erworben werden. Das gesamte Kongressprogramm steht vom 10. Juni bis 5. August 2026 zusätzlich als On-Demand-Angebot zur Verfügung.
Der nächste Pharmacon-Kongress findet vom 17. bis 21. Januar 2027 in Schladming statt und widmet sich den Schwerpunktthemen Bewegungs- und Stützapparat sowie neurologische und psychiatrische Erkrankungen. Vom 23. bis 28. Mai 2027 findet der Pharmacon wieder in Meran statt.