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Nebenwirkungen
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Mehr Gewicht durch Arzneimittel

Verschiedene Medikamente können Gewichtsveränderungen auslösen. Der Effekt hängt vom Arzneistoff ab und ist nicht bei allen Vertretern einer Wirkstoffgruppe gleich.
AutorKontaktNicole Schuster
Datum 21.05.2026  09:00 Uhr

Sorgfältige Arzneistoffauswahl

Da Arzneimittel das Gewicht verändern können, sollte bei deren Auswahl das individuelle Risikoprofil des Patienten einschließlich Übergewicht und metabolischer Komorbiditäten mitberücksichtigt werden.

Die klinischen Leitlinien der Endocrine Society empfehlen einen »Shared Decision Making«-Prozess, der Patienten realistische Informationen über die zu erwartenden Gewichtseffekte liefert, damit sie eine informierte Entscheidung treffen können. Bei Menschen mit einem BMI über 27 kg/m² mit Komorbiditäten und generell bei einem BMI über 30 kg/m² wird empfohlen, die klinische Wirksamkeit gegen das Gewichtssteigerungspotenzial abzuwägen.

Bestenfalls steht eine therapeutisch gleichwertige, aber metabolisch günstigere Substanz zur Verfügung, etwa Aripiprazol statt Olanzapin, Lamotrigin statt Valproat oder Bupropion statt Mirtazapin. Falls keine Alternativen verfügbar sind, kann die minimal wirksame Dosis günstiger sein (39).

Bei Kontrolluntersuchungen sollten regelmäßig Körpergewicht und das metabolische Risikoprofil überprüft werden. Eine Zunahme von 5 Prozent oder mehr vom Ausgangsgewicht gibt Anlass, den Wechsel auf eine Substanz mit günstigeren Eigenschaften zu prüfen. Der Taillenumfang als Maß für die viszerale Adipositas liefert zusätzliche Informationen über das kardiometabolische Risiko.

Ehrlich beraten

Das Thema Gewicht ist für viele Patienten emotional besetzt und sollte daher in der Apotheke besonders sensibel angesprochen werden. Wichtig ist eine sachliche, wertfreie Sprache, die weder verharmlost noch verunsichert. Statt das Thema zu vermeiden, empfiehlt es sich, proaktiv und offen darauf einzugehen, etwa indem mögliche Gewichtsveränderungen als bekannter Effekt angesprochen werden, den man gemeinsam im Blick behalten kann.

Fragen wie »Macht mich das Medikament dick?« verdienen eine ehrliche differenzierte Antwort. Eine Gewichtszunahme ist bei bestimmten Medikamenten möglich, tritt jedoch nicht immer auf. Wer das klar kommuniziert und gleichzeitig konkrete Unterstützung anbietet, zum Beispiel regelmäßige Kontrollen oder Hinweise zur Ernährung und Bewegung, kann Angst reduzieren und das Vertrauen in die Therapie stärken.

Dabei muss man ehrlich sein: Lebensstilinterventionen führen nur bei einem Teil der Betroffenen zu einem klinisch signifikanten langfristigen Gewichtsverlust. Gleichwohl sind Diät und Bewegung sinnvoll und haben Vorteile jenseits des Gewichts. Als alleinige Gegenmaßnahme zu einer pharmakologisch vermittelten Gewichtszunahme reichen sie jedoch häufig nicht aus.

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