Für die Beratung in der Apotheke ist auch der vermeintliche Zusammenhang zwischen hormoneller Kontrazeption und Gewicht relevant. Ein aktueller Review zeigt jedoch, dass sich für die meisten kombinierten hormonellen Präparate wie orale Kontrazeptiva, Pflaster und Vaginalring sowie viele Gestagen-Methoden keine konsistente, klinisch relevante Gewichtszunahme findet (29).
Bei kombinierten hormonellen Kontrazeptiva sind die beobachteten Gewichtsschwankungen oft hauptsächlich auf eine Flüssigkeitsretention durch estrogene Stimulation des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems zurückzuführen. Das synthetische Gestagen Drospirenon hat eine antimineralocorticoide Wirkung und kann dadurch der Flüssigkeitsansammlung entgegenwirken. Gestagene können aber auch den Appetit steigern, im Gegensatz zum anorektisch wirkenden Estrogen (29, 30).
Die meisten Gestagen-Methoden, etwa Minipille, Implantat und Hormonspirale, gelten als gewichtsneutral, auch wenn einzelne Frauen subjektiv über Zunahmen berichten (29).
Viele Frauen sorgen sich, ob ihr Medikament dick macht. / © Shutterstock/Nicoleta Ionescu
Für die Spritze mit Depot-Medroxyprogesteronacetat (DMPA) ist die Assoziation mit Gewichtszunahme und vermehrter Fettmasse hingegen gut belegt. In einer prospektiven Vergleichsstudie zwischen Frauen mit DMPA oder mit Kupfer-IUP nahmen DMPA-Nutzerinnen nach zwölf Monaten im Mittel 1,9 kg zu. Eine Analyse der Körperzusammensetzung zeigte, dass dies größtenteils aus einem Anstieg der Fettmasse resultierte (31). Als mögliche Mechanismen gelten Appetitsteigerung, Glucocorticoid-ähnliche Effekte und Veränderungen der Körperzusammensetzung.
Bei Jugendlichen kann eine frühe Gewichtszunahme ein Warnsignal für eine spätere, noch stärkere Zunahme sein. Allerdings wird DMPA in der Regel nur als Reservemethode verwendet und bei jungen Frauen wegen Bedenken hinsichtlich eines Verlusts an Knochendichte besonders zurückhaltend eingesetzt (29, 32, 33).
Wichtig für die Beratung ist der Hinweis, dass viele Frauen im Jugend- und jungen Erwachsenenalter mit der Kontrazeption beginnen – also in einer Lebensphase, die durch natürliches Wachstum und metabolische Veränderungen gekennzeichnet ist. Das Kontrazeptivum kann dann als Ursache einer Zunahme erscheinen, die auch unabhängig davon eingetreten wäre (29).