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Nebenwirkungen
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Mehr Gewicht durch Arzneimittel

Verschiedene Medikamente können Gewichtsveränderungen auslösen. Der Effekt hängt vom Arzneistoff ab und ist nicht bei allen Vertretern einer Wirkstoffgruppe gleich.
AutorKontaktNicole Schuster
Datum 21.05.2026  09:00 Uhr

Besondere Risikogruppen

Neben der Gewichtszunahme als solche belasten auch Folgeerkrankungen wie das metabolische Syndrom, Typ-2-Diabetes und kardiovaskuläre Risiken. Besonders vulnerabel sind Kinder. Ihr noch wachsendes Organ- und Hormonsystem reagiert besonders sensibel auf rezeptorvermittelte Signaleingriffe; bei einer Dauermedikation kumuliert das kardiometabolische Risiko über lange Zeit. Bei Stimulanzien erfordern Appetitverlust und Wachstumsverzögerung ein regelmäßiges Monitoring (34–35).

Ein weiteres Risiko für eine Gewichtszunahme ist die Polypharmazie. Die kumulative Wirkung mehrerer gewichtsfördernder Substanzen, etwa Insulin, orale Glucocorticoide und bestimmte Antidepressiva gleichzeitig, kann die Effekte jeder Einzelsubstanz übersteigen. Ein Dilemma bei Senioren besteht darin, dass Adipositas metabolische und kardiovaskuläre Risiken erhöht. Andererseits ist eine rasche oder starke Gewichtsreduktion mit dem Verlust von Muskelmasse (Sarkopenie) und Knochendichte verbunden und dann steigen Sturzrisiko und Fragilität (36).

Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen wie Schizophrenie, Depression oder bipolarer Störung haben in der Regel eine schlechtere körperliche Verfassung und eine reduzierte Lebenserwartung im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung. Die erhöhte kardiovaskuläre Mortalität wird teilweise auf vermehrte modifizierbare Risikofaktoren wie Adipositas, Rauchen, Diabetes, Hypertonie und Dyslipidämie zurückgeführt. Eine Gewichtszunahme unter Psychopharmaka verstärkt das kardiale Risiko und veranlasst Patienten häufig dazu, eine wirksame Behandlung abzubrechen (37–38).

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