Bei der Insulin-assoziierten Gewichtszunahme handelt es sich um eine weitgehend zwangsläufige Folge der Wirkprinzipien des Hormons. Als ursächlich gelten die anabolen Effekte auf Muskel- und Fettgewebe, eine Appetitsteigerung und die Hemmung der Lipolyse im Fettgewebe. Insulin reduziert die Glucosurie, sodass Kalorien zurückgehalten werden, die zuvor über den Urin ausgeschieden wurden.
Ein nicht zu unterschätzender Faktor ist, dass Patienten oft prophylaktisch Kohlenhydrate zu sich nehmen, um Hypoglykämien entgegenzuwirken, selbst wenn der Blutzucker im Normbereich liegt.
Die Insulin-assoziierte Gewichtszunahme kann einen Circulus vitiosus anstoßen: Mehr Körpergewicht erhöht die Insulinresistenz und das erfordert höhere Insulindosen, die wiederum die Gewichtszunahme begünstigen.
Unter Insulin nehmen viele Diabetespatienten zu. Das kann einen Circulus vitiosus anstoßen. / © Shutterstock/Pressmaster
Die DCCT-Studie (Diabetes Control and Complications Trial) an Menschen mit Typ-1-Diabetes zeigte, dass eine intensive Insulintherapie mit dem Ziel einer möglichst normnahen Blutzuckereinstellung zu einer durchschnittlichen Zunahme von 4,8 kg im Vergleich zur konventionellen Behandlung führte. Der Effekt trat vor allem im ersten Jahr auf und korrelierte eng mit dem Ausgangs-HbA1C-Patienten mit Typ-2-Diabetes können in den ersten sechs Monaten der Insulintherapie sogar bis zu 9 kg zunehmen.
Dies lässt sich allerdings begrenzen. Die Kombination von Insulin mit oralen Antidiabetika wie Metformin oder SGLT2-Inhibitoren kann den Insulinbedarf um bis zu 40 Prozent reduzieren und damit die gewichtssteigernde Wirkung abschwächen. Vorteilhaft wirkt auch die Kombination mit einem GLP1-Analogon (14–18).
Ähnliches, wenngleich weniger ausgeprägt zeigt sich unter Sulfonylharnstoffen. Die Gewichtszunahme findet vorwiegend im ersten halben Jahr statt und überschreitet auch in Langzeitstudien im Mittel nicht 2 kg (19). Pathophysiologisch liegt das an der blutzuckerunabhängigen Stimulation der pankreatischen Insulinsekretion. Das bedingt eine Hyperinsulinämie mit antilipolytischem und anabolem Effekt. Milde Hypoglykämien können ein kompensatorisches Essen begünstigen (20, 21).