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Reinfektionen mit Coronaviren

Langzeit-Immunität ist möglich

Berichte über Reinfektionen mit SARS-CoV-2 sorgen für Verunsicherung, doch bei Coronaviren sind diese normal. Die Entwicklung eines schützenden Impfstoffs ist dennoch prinzipiell möglich. Die PZ hat beim Paul-Ehrlich-Institut nachgefragt.
Christina Hohmann-Jeddi
28.08.2020  18:00 Uhr

Wissenschaftler in Hongkong berichteten vor Kurzem von einem 33-jährigen Mann, der sich zweimal mit SARS-CoV-2 angesteckt hatte. Er hatte sich Ende März erstmals und viereinhalb Monate später erneut mit einem anderen Stamm infiziert (»Clinical Infectious Diseases«). Kurz darauf wurden zwei weitere Patienten aus den Niederlanden und Belgien gemeldet, bei denen es ebenfalls nach wenigen Monaten zu einer Reinfektion mit SARS-CoV-2 gekommen war. Was bedeuten diese Berichte für die Impfstoffentwicklung? Und kann jemals eine Herdenimmunität erreicht werden, wenn ein Immunschutz offenbar nur kurzfristig anhält?

Einen Anhaltspunkt zur Beantwortung dieser Fragen können Erfahrungen mit anderen Coronaviren wie HCoV-HUK1 oder HCoV-OC43 liefern, die mit SARS-CoV-2 nah verwandt sind, aber lediglich harmlose Erkältungen auslösen. Infektionen mit diesen Viren hinterlassen nur eine vorübergehende Immunität, Reinfektionen sind die Regel. Das berichtete ein Team um Dr. Arthur Edridge und Dr. Lia van der Hoek von der Universität Amsterdam bereits im Juni auf dem Preprint-Server »MedRxiv«.

Die Forscher hatten sich Daten zu den Erkältungscoronaviren aus den Jahren 1985 bis 2020 vor dem Hintergrund der aktuellen Pandemie genauer angesehen und festgestellt, dass sich die Antikörpertiter gegen diese Viren nach einer Infektion im Durchschnitt nach etwa sechs Monaten deutlich reduziert hatten. Nach vier Jahren waren sie ganz verschwunden. Reinfektionen traten im Schnitt nach zwölf Monaten auf, frühestens nach sechs Monaten.

Bei SARS-CoV-2 scheinen die Antikörpertiter sogar noch schneller zu sinken. Das zeigen nicht nur die Einzelfälle mit den Reinfektionen, sondern auch Untersuchungen von Antikörpertitern nach durchgemachten Infektionen. In diesen waren die Antikörper bei Covid-19-Patienten zum Teil nach acht Wochen nicht mehr nachweisbar. Dabei hängt die Antikörperantwort wohl mit der Schwere der Symptomatik zusammen: Je schwerer der Verlauf, desto mehr Antikörper werden gebildet. Personen mit einem leichten oder gar asymptomatischen Verlauf könnten daher ungenügend vor einer Reinfektion geschützt sein.

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