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Covid-19 in 2026
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Harmlose Erkältung oder unterschätztes Risiko?

Sechs Jahre nach dem Ausbruch der Pandemie stellen Experten jetzt die Frage, wie gefährlich SARS-CoV-2 noch ist. Was einst Gesellschaften lahmlegte, hat seinen Schrecken für die meisten Menschen verloren. Zu Recht?
AutorKontaktTheo Dingermann
Datum 28.04.2026  18:00 Uhr

Sechs Jahre nach den beispiellosen Lockdowns des Jahres 2020 ist Covid-19 aus dem Zentrum der öffentlichen Wahrnehmung gerückt. Das bedeutet jedoch nicht, dass das Virus verschwunden ist. In einer aktuellen Analyse des US-amerikanischen Fachmediums »STAT News«, zeichnet die Wissenschaftsjournalistin Helen Branswell basierend auf Einschätzungen führender Infektionsepidemiologen und Virologen, ein differenziertes Bild. Danach ist die Bedrohung deutlich reduziert, aber nicht für alle Bevölkerungsgruppen gleichermaßen.

Immunität als entscheidender Faktor – mit Einschränkungen

Der wichtigste Grund für die veränderte Risikolage liegt in der nahezu universellen Immunisierung der Weltbevölkerung. Nahezu jeder Mensch hat inzwischen durch Infektion, Impfung oder beides eine immunologische Grundabwehr gegen SARS-CoV-2 aufgebaut. Ausnahmen sind natürlich Kleinkindern im ersten Lebensjahr. Selbst viele sogenannte »Novids«, also Menschen, die glauben, nie infiziert worden zu sein, haben nach Expertenmeinung höchstwahrscheinlich asymptomatische Infektionen durchgemacht.

Die niederländische Virologin Professor Dr. Lia van der Hoek, Entdeckerin des Coronavirus NL-63 und Leiterin der Virusforschungsgruppe am Amsterdam University Medical Center (UMC), widerspricht jedoch dem Narrativ, dass allein die Immunität für den Rückgang der Schwere der Erkrankungen verantwortlich ist. Sie verweist auf ihre langjährige Forschung zu Erkältungscoronaviren. Danach können Reinfektionen bereits nach weniger als einem Jahr auftreten, was gegen eine langanhaltende schützende Immunität spricht.

Van der Hoeks Erklärung für den Wandel ist eine andere: das Auftreten der Omikron-Variante Ende 2021. Obwohl Omikron-Stämme immunevasiver sind als die vorherigen SARS-CoV-2-Varianten, verursachen sie deutlich mildere Verläufe. Alle heute zirkulierenden Varianten sind Omikron-Nachkommen.

Nachweisbarer Rückgang der Schwere der Erkrankungen

Die Mortalitätsdaten der US-amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention (CDC) sind aufschlussreich. Danach war Covid-19 in 2021 noch die dritthäufigste Todesursache bei Erwachsenen in den USA. 2023 fiel die Erkrankung auf Rang zehn, 2024 dann auf Rang fünfzehn, noch hinter Influenza, die auf Platz elf rangierte.

Die CDC schätzt, dass zwischen Oktober 2024 und September 2025 zwischen 45.000 und 64.000 Amerikaner an Covid-19 gestorben sind, verglichen mit jeweils über 100.000 in den beiden Vorjahreszeiträumen. Die frühere CDC-Epidemiologin und heute Professorin an der Emory University Dr. Fiona Havers, ordnet diese Entwicklung so ein: Der Rückgang sei konsistent und zeige, dass sich das Muster der Covid-19-Betroffenheit zunehmend dem anderer Atemwegserkrankungen angleiche, mit Risikogruppen unter sehr jungen und sehr alten Menschen.

Auch die Abwasserüberwachung des Projekts WastewaterSCAN, geleitet von Wissenschaftlern der Universitäten Stanford und Emory, zeigt, dass die aktuell nachgewiesenen SARS-CoV-2-Konzentrationen im kommunalen Abwasser den niedrigsten Stand seit Beginn der Erhebungen aufweisen. Die Stanford-Professorin Dr. Alexandria Boehm betont jedoch, dass offen bleibt, ob dies weniger Infektionen oder lediglich eine geringere Virusausscheidung Infizierter widerspiegelt und ob der in Vorjahren beobachtete Sommer-Peak auch 2026 wieder auftritt.

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