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Vitamin D

Kritische Betrachtung

Ein stark ausgeprägter Vitamin-D-Mangel, der mit Störungen des Knochenstoffwechsels und mit Rachitis einhergeht, lässt sich durch Supplementierung mit Vitamin D beheben. Voraussetzung ist allerdings, dass keine Defekte des Vitamin-D-Rezeptors oder von weiteren, an der Vitamin-D-Aktivierung beteiligten Genen vorliegen. In der Regel wird das Prohormon Vitamin D3 appliziert, das in der Leber in die Speicherform, das 25(OH)D3, umgewandelt wird und dann vom Organismus bei Bedarf in die aktive Form Calcitriol transformiert wird.

Calcitriol selbst wird systemisch aufgrund seiner geringen therapeutischen Breite nur selten eingesetzt. Topisch wird es hingegen sehr erfolgreich bei der Psoriasis-Therapie verwendet. Für die topische Therapie ist Vitamin D3 als Prohormon wiederum ungeeignet, da es zu keiner ausreichenden Bioaktivierung lokal an der Haut kommt.

Die immunmodulatorischen beziehungsweise nicht klassischen physiologischen Effekte von Vitamin D3 legten nahe, dass der Vitamin-D-Einsatz nicht nur bei Osteoporose und Rachitis, sondern auch bei anderen Erkrankungen seine Berechtigung haben könnte.

Beobachtungsstudien, in denen der Vitamin-D-Status bei verschiedenen Erkrankungen untersucht wurde, fanden eine Beziehung zwischen einem Mangel und dem vermehrten Auftreten chronischer Erkrankungen wie Diabetes, Tumoren, Hypertonie, kardiovaskuläre und renale Komplikationen oder von Infektionskrankheiten (5).

Die Ergebnisse aus den Beobachtungsstudien lassen allerdings die Frage unbeantwortet, ob die niedrigen Vitamin-D-Spiegel bei den genannten Erkrankungen lediglich eine Folge der Erkrankungen sind oder ob ein kausaler Zusammenhang zwischen einem Vitamin-D-Mangel und der Inzidenz der Erkrankungen besteht.

Letzteres würde bedeuten, dass sich durch Vitamin-D-Supplementierung bei Vitamin-D-defizienten Patienten bei den genannten Erkrankungen ein therapeutischer Effekt erzielen lässt. Der systematische Review zahlreicher Studien und Metaanalysen ergab allerdings keinen eindeutigen Beweis dafür, dass die Supplementierung einen solchen therapeutischen Effekt bei kardiovaskulären Erkrankungen, Adipositas, Diabetes oder verschiedenen Krebserkrankungen hat (5, 6).

Zu einem ähnlichen Ergebnis kam die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) in ihrer Stellungnahme bereits aus dem Jahr 2011. Eine kürzlich publizierte Analyse der vorliegenden Studien und Metaanalysen ergab, dass Vitamin-D-Supplementierung die Gesamtmortalität senken kann (5). Dies könnte damit zusammenhängen, dass Vitamin D aufgrund seiner immunmodulatorischen Eigenschaften die Widerstandskraft gegen akute Infektionen der Atemwege erhöht, was sich positiv auf die Mortalität älterer multimorbider Patienten auswirkt (5).

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