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Systemische Skeletterkrankung

Wie die Osteoporose-Therapie heute aussieht

Etwa 40 Prozent aller Frauen erleiden einmal im Leben einen Osteoporose-bedingten Knochenbruch. Besonders häufig sind Wirbelkörper, der Oberschenkelknochen und das Handgelenk betroffen. Auch Männer sind nicht davor gefeit. Erfreulicherweise gibt es klare Empfehlungen zur Prävention und Therapie der Osteoporose.
Manfred Schubert-Zsilavecz
18.06.2020  11:00 Uhr

Die Osteoporose ist eine unterschätzte systemische Skeletterkrankung, die durch eine verminderte Knochenmasse und eine Verschlechterung der Mikroarchitektur des Knochengewebes das Risiko für Frakturen steigert. Definitionsgemäß liegt eine Osteoporose vor, wenn durch DXA (dual-energy x-ray absorptiometry)-Messungen an der Lendenwirbelsäule und am proximalen Femur gezeigt wird, dass die Knochenmineraldichte um 2,5 Standardabweichungen (SD) unter dem statistischen Mittelwert gesunder prämenopausaler Frauen liegt (T-Score) (1).

Rund sechs Millionen Menschen sind in Deutschland an Osteoporose erkrankt, wobei vor allem Frauen nach der Menopause betroffen sind. Aber auch andere Menschen, zum Beispiel bei einer Langzeittherapie mit Glucocorticoiden, zählen zu den Betroffenen. Zwischen 1995 und 2010 nahm die Zahl der Patienten in Deutschland mit mindestens einem Krankenhausaufenthalt aufgrund einer Hüftfraktur von 99.146 auf 128.240 zu (2). Mit Blick auf die pharmazeutische Betreuung von Osteoporose-Patienten sollten Apotheker vertieft Bescheid wissen, wann, wie und welche Arzneistoffe leitlinienkonform zur Prävention und Therapie eingesetzt werden.

Das Frakturrisiko ist bei Osteoporose durch verschiedene veränderbare und nicht veränderbare Faktoren erhöht. Zu den allgemeinen veränderbaren Risikofaktoren mit hoher Relevanz zählen Stürze, Immobilität, Rauchen, übermäßiger Alkoholkonsum, Untergewicht und Vitamin-D-Mangel.

Nicht veränderbare Risikofaktoren sind Lebensalter, Geschlecht, frühere Osteoporose-assoziierte Frakturen und proximale Femurfrakturen bei Vater und Mutter. Darüber hinaus erhöhen verschiedene Grunderkrankungen und bestimmte Arzneistoffe das Risiko für osteoporotische Frakturen (Kasten 1) (1). Bei Patienten, die frakturbegünstigende Arzneistoffe einnehmen, sollten Arzt und Apotheker regelmäßig Risiko und Nutzen abschätzen.

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