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Cancer Survivorship
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Krebsnachsorge im Wandel

Die moderne Onkologie ermöglicht immer mehr Krebspatienten ein langfristiges Überleben. Dadurch verlagert sich der Schwerpunkt der Nachsorge zunehmend von der Rezidiv-Erkennung hin zum langfristigen Management therapiebedingter Folgen und zum Erhalt der Lebensqualität. Apotheker können einen wichtigen Beitrag leisten.
AutorKontaktClara Wildenrath
Datum 04.10.2026  08:00 Uhr

Überdiagnostik vermeiden

Lange galt die Vorstellung, möglichst viele Untersuchungen führen zwangsläufig zu einer besseren Prognose. Zahlreiche Studien konnten das jedoch nicht bestätigen. So empfehlen die ­aktuellen S3-Leitlinien beispielsweise beim Mammakarzinom ausdrücklich keine routinemäßige Bestimmung von Tumormarkern oder CT-, PET- oder ­Knochenszintigrafien bei beschwerdefreien Patientinnen. Solche Unter­suchungen führen häufig zu falsch-­positiven Befunden und ziehen weitere invasive Diagnostik mit unnötigen psychischen Belastungen nach sich, ohne die Überlebenswahrscheinlichkeit zu verbessern. Stattdessen umfasst das Nachsorgeprogramm körperliche Untersuchungen sowie jährliche Mammografien und bei Bedarf ergänzende ­Sonografien der Brust und der Axillarregion. Stark an bildgebenden Verfahren orientiert sich dagegen die Nachsorge beim Lungenkrebs, während beim Prostatakarzinom der prostataspezifische Antigenwert (PSA) im Mittelpunkt steht (Tabelle).

Tumorart Wichtigste Untersuchungen Typische Intervalle Beratung in der Apotheke
Mammakarzinom körperliche Untersuchung, Mammografie, gegebenenfalls Sonografie 1.–3. Jahr: klinische Unter­suchung alle drei Monate, 4.–5. Jahr: alle sechs Monate, danach alle zwölf Monate. Mammografie mindestens zehn Jahre lang jährlich Adhärenz bei endokriner Therapie, Beratung zu Neben­wirkungen, Osteoporose-Prophylaxe, Interaktionen (zum Beispiel Tamoxifen und starke CYP2D6-Hemmer wie Paroxetin oder Fluoxetin)
Kolorektales Karzinom körperliche Untersuchung, Tumormarker CEA (wenn vor der Therapie erhöht), Koloskopie, Endosonografie, eventuell CT Koloskopie nach halbem beziehungsweise einem Jahr und nach fünf Jahren. Spiral-CT oder Sonografie nach einem Jahr, danach Sonografie jährlich Ernährung
Prostatakarzinom PSA-Kontrolle, Bildgebung nur bei Symptomen 1.–2. Jahr alle drei Monate, 3.–4. Jahr alle sechs Monate, ab dem 5. Jahr jährlich. Unter Androgen-Deprivation klinische Untersuchung alle drei bis sechs Monate Adhärenz bei Androgen-Deprivation, Nebenwirkungen, Interaktionen, Herz-Kreislauf-Risiko/Blutdruckkontrollen
Lungenkarzinom körperliche Untersuchung plus Bildgebung (Röntgen Thorax, Sonografie Abdomen oder CT) 1.–2. Jahr alle drei Monate, 3.–5. Jahr alle sechs Monate, danach Screeningprogramm Unterstützung beim Rauchstopp
Malignes Melanom körperliche Untersuchung, Lymphknoten-Sonografie, Tumormarker S100B, bei höheren Stadien MRT, CT oder PET Je nach Tumorstadium: 1.–3. Jahr alle drei bis sechs Monate, 4.–5. Jahr alle drei bis zwölf Monate, 6.–10. Jahr alle sechs bis zwölf Monate Selbstuntersuchung der Haut
Nachsorge bei den häufigsten Tumorarten

Wichtig zu wissen für alle Krebsüber­lebenden: Wenn neue Beschwerden auftreten, sollten sie mit dem Arztbesuch nicht bis zum nächsten Kontrolltermin warten. Dies gilt insbesondere für ungeklärten Gewichtsverlust, anhaltende Schmerzen, neurolo­gische Symptome, tastbare Knoten sowie starke Durch­fälle, Hautveränderungen oder ausgeprägte Müdigkeit nach einer Immuntherapie.

Über die medizinische Nachsorge hinaus berücksichtigen moderne Sur­vivorship-Programme die besonderen Bedürfnisse von Krebsüberlebenden in unterschiedlichen Lebensphasen. Bei Kindern und Jugendlichen stehen nach einer Krebserkrankung zunächst der Wunsch nach Autonomie und Identitätsfindung sowie mögliche schulische Herausforderungen im Vordergrund. Zudem spielt der Erhalt der Fertilität eine wichtige Rolle. Viele junge Betroffene leiden außerdem besonders stark unter psychosozialen Spätfolgen.

Im mittleren Lebensalter stellt dagegen oft die Rückkehr ins Berufsleben eine zentrale Herausforderung dar. Manche Betroffene erleben aufgrund längerer krankheitsbedingter Ausfälle einen Karriereknick oder müssen sich beruflich neu orientieren. Hinzu kommen häufig familiäre Belastungen: Während einige mit Einschränkungen ihrer Fertilität und einer noch nicht ­abgeschlossenen Familienplanung konfrontiert sind, müssen andere die Anforderungen der Nachsorge mit Beruf und Kinderbetreuung vereinbaren.

Im höheren Lebensalter steigt durch Komorbiditäten und Polypharmazie das Risiko von Nebenwirkungen und Arzneimittelinteraktionen.

Unabhängig vom Alter gilt: Der ­Lebensstil hat großen Einfluss auf die langfristige Gesundheit und Lebensqualität nach einer Krebserkrankung. Zu den wirksamsten nicht medikamentösen Maßnahmen in der Krebsnachsorge zählt regelmäßige körperliche Aktivität (Kasten). Zu einer gesunden, das Rezidivrisiko senkenden Lebensweise gehören auch der Verzicht auf Nikotin sowie ein möglichst geringer Alkoholkonsum. Bei der Ernährung gelten die allgemein gültigen Grundsätze: viel Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte, Vollkorn und ungesättigte Fettsäuren, ­wenig rotes oder verarbeitetes Fleisch, wenig Zucker. Für »Krebs­diäten« existieren keine wissenschaftlichen Belege – sie können im Gegenteil eher Mangelzustände fördern.

Auch hoch dosierte Vitaminpräparate oder andere Nahrungsergänzungsmittel haben keinen nachgewiesenen Effekt auf das Gesamtüberleben oder die Rückfallrate. Hingegen kann bei ­einem dokumentierten Mangel oder therapiebedingten Risiken unter einer langfristigen antihormonellen Therapie beim Mammakarzinom oder einer Androgendeprivation beim Prostatakarzinom eine gute Versorgung mit ­Vitamin D und Calcium dazu beitragen, dem therapiebedingten Knochendichteverlust entgegenzuwirken. Grundsätzlich sollte jede Form der Selbst­medikation nach einer Krebserkrankung mit dem behandelnden Arzt abgestimmt werden.

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