Lange galt die Vorstellung, möglichst viele Untersuchungen führen zwangsläufig zu einer besseren Prognose. Zahlreiche Studien konnten das jedoch nicht bestätigen. So empfehlen die aktuellen S3-Leitlinien beispielsweise beim Mammakarzinom ausdrücklich keine routinemäßige Bestimmung von Tumormarkern oder CT-, PET- oder Knochenszintigrafien bei beschwerdefreien Patientinnen. Solche Untersuchungen führen häufig zu falsch-positiven Befunden und ziehen weitere invasive Diagnostik mit unnötigen psychischen Belastungen nach sich, ohne die Überlebenswahrscheinlichkeit zu verbessern. Stattdessen umfasst das Nachsorgeprogramm körperliche Untersuchungen sowie jährliche Mammografien und bei Bedarf ergänzende Sonografien der Brust und der Axillarregion. Stark an bildgebenden Verfahren orientiert sich dagegen die Nachsorge beim Lungenkrebs, während beim Prostatakarzinom der prostataspezifische Antigenwert (PSA) im Mittelpunkt steht (Tabelle).
| Tumorart | Wichtigste Untersuchungen | Typische Intervalle | Beratung in der Apotheke |
|---|---|---|---|
| Mammakarzinom | körperliche Untersuchung, Mammografie, gegebenenfalls Sonografie | 1.–3. Jahr: klinische Untersuchung alle drei Monate, 4.–5. Jahr: alle sechs Monate, danach alle zwölf Monate. Mammografie mindestens zehn Jahre lang jährlich | Adhärenz bei endokriner Therapie, Beratung zu Nebenwirkungen, Osteoporose-Prophylaxe, Interaktionen (zum Beispiel Tamoxifen und starke CYP2D6-Hemmer wie Paroxetin oder Fluoxetin) |
| Kolorektales Karzinom | körperliche Untersuchung, Tumormarker CEA (wenn vor der Therapie erhöht), Koloskopie, Endosonografie, eventuell CT | Koloskopie nach halbem beziehungsweise einem Jahr und nach fünf Jahren. Spiral-CT oder Sonografie nach einem Jahr, danach Sonografie jährlich | Ernährung |
| Prostatakarzinom | PSA-Kontrolle, Bildgebung nur bei Symptomen | 1.–2. Jahr alle drei Monate, 3.–4. Jahr alle sechs Monate, ab dem 5. Jahr jährlich. Unter Androgen-Deprivation klinische Untersuchung alle drei bis sechs Monate | Adhärenz bei Androgen-Deprivation, Nebenwirkungen, Interaktionen, Herz-Kreislauf-Risiko/Blutdruckkontrollen |
| Lungenkarzinom | körperliche Untersuchung plus Bildgebung (Röntgen Thorax, Sonografie Abdomen oder CT) | 1.–2. Jahr alle drei Monate, 3.–5. Jahr alle sechs Monate, danach Screeningprogramm | Unterstützung beim Rauchstopp |
| Malignes Melanom | körperliche Untersuchung, Lymphknoten-Sonografie, Tumormarker S100B, bei höheren Stadien MRT, CT oder PET | Je nach Tumorstadium: 1.–3. Jahr alle drei bis sechs Monate, 4.–5. Jahr alle drei bis zwölf Monate, 6.–10. Jahr alle sechs bis zwölf Monate | Selbstuntersuchung der Haut |
Wichtig zu wissen für alle Krebsüberlebenden: Wenn neue Beschwerden auftreten, sollten sie mit dem Arztbesuch nicht bis zum nächsten Kontrolltermin warten. Dies gilt insbesondere für ungeklärten Gewichtsverlust, anhaltende Schmerzen, neurologische Symptome, tastbare Knoten sowie starke Durchfälle, Hautveränderungen oder ausgeprägte Müdigkeit nach einer Immuntherapie.
Über die medizinische Nachsorge hinaus berücksichtigen moderne Survivorship-Programme die besonderen Bedürfnisse von Krebsüberlebenden in unterschiedlichen Lebensphasen. Bei Kindern und Jugendlichen stehen nach einer Krebserkrankung zunächst der Wunsch nach Autonomie und Identitätsfindung sowie mögliche schulische Herausforderungen im Vordergrund. Zudem spielt der Erhalt der Fertilität eine wichtige Rolle. Viele junge Betroffene leiden außerdem besonders stark unter psychosozialen Spätfolgen.
Im mittleren Lebensalter stellt dagegen oft die Rückkehr ins Berufsleben eine zentrale Herausforderung dar. Manche Betroffene erleben aufgrund längerer krankheitsbedingter Ausfälle einen Karriereknick oder müssen sich beruflich neu orientieren. Hinzu kommen häufig familiäre Belastungen: Während einige mit Einschränkungen ihrer Fertilität und einer noch nicht abgeschlossenen Familienplanung konfrontiert sind, müssen andere die Anforderungen der Nachsorge mit Beruf und Kinderbetreuung vereinbaren.
Im höheren Lebensalter steigt durch Komorbiditäten und Polypharmazie das Risiko von Nebenwirkungen und Arzneimittelinteraktionen.
Unabhängig vom Alter gilt: Der Lebensstil hat großen Einfluss auf die langfristige Gesundheit und Lebensqualität nach einer Krebserkrankung. Zu den wirksamsten nicht medikamentösen Maßnahmen in der Krebsnachsorge zählt regelmäßige körperliche Aktivität (Kasten). Zu einer gesunden, das Rezidivrisiko senkenden Lebensweise gehören auch der Verzicht auf Nikotin sowie ein möglichst geringer Alkoholkonsum. Bei der Ernährung gelten die allgemein gültigen Grundsätze: viel Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte, Vollkorn und ungesättigte Fettsäuren, wenig rotes oder verarbeitetes Fleisch, wenig Zucker. Für »Krebsdiäten« existieren keine wissenschaftlichen Belege – sie können im Gegenteil eher Mangelzustände fördern.

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Zahlreiche Studien belegen, dass Bewegung nicht nur die körperliche Leistungsfähigkeit verbessert, sondern auch therapiebedingte Beschwerden lindert, insbesondere die tumorassoziierte Fatigue. Darüber hinaus wirkt sich Sport positiv auf psychische, neurologische und hormonell bedingte Symptome aus.
Krafttraining baut die geschwächte Muskulatur wieder auf und unterstützt den Knochenstoffwechsel. Dadurch lässt sich das Osteoporoserisiko senken, das zum Beispiel unter endokrinen Therapien oder nach einer vorzeitigen, therapiebedingten Menopause erhöht sein kann. Ausdauersport stärkt das Herz-Kreislauf-System und trägt dazu bei, kardiovaskuläre Risikofaktoren zu reduzieren.
Zudem senkt regelmäßige körperliche Aktivität das Rezidivrisiko. Eine Metaanalyse zeigte, dass körperlich aktive Brustkrebspatientinnen im Vergleich zu inaktiven Frauen eine um 40 Prozent geringere tumorbedingte Sterblichkeit aufwiesen. Bei Darmkrebs war das Risiko um 30 Prozent geringer, bei Prostatakrebs um 33 Prozent. Noch deutlicher fiel der positive Effekt auf die Gesamtsterblichkeit aus.
Internationale und nationale Leitlinien empfehlen Krebsüberlebenden, sofern keine medizinischen Kontraindikationen bestehen, mindestens 150 Minuten moderate oder 75 Minuten intensive körperliche Aktivität pro Woche, ergänzt durch Krafttraining an mindestens zwei Tagen pro Woche. Art und Intensität des Trainings richten sich dabei nach persönlichen Neigungen, Alter, Komorbiditäten und Leistungsfähigkeit. Wer sich bisher kaum bewegt hat, profitiert schon von regelmäßigen Spaziergängen.
Auch hoch dosierte Vitaminpräparate oder andere Nahrungsergänzungsmittel haben keinen nachgewiesenen Effekt auf das Gesamtüberleben oder die Rückfallrate. Hingegen kann bei einem dokumentierten Mangel oder therapiebedingten Risiken unter einer langfristigen antihormonellen Therapie beim Mammakarzinom oder einer Androgendeprivation beim Prostatakarzinom eine gute Versorgung mit Vitamin D und Calcium dazu beitragen, dem therapiebedingten Knochendichteverlust entgegenzuwirken. Grundsätzlich sollte jede Form der Selbstmedikation nach einer Krebserkrankung mit dem behandelnden Arzt abgestimmt werden.
Literatur bei der Verfasserin
Clara Wildenrath ist Diplom-Biologin, Wissenschaftsjournalistin und Buchautorin. Sie berichtet sowohl für Fachkreise als auch für Laien über Grundlagen und Neuerungen in der Medizin. Zu ihren Schwerpunktthemen gehören unter anderem die Gynäkologie, Immunologie und Biochemie. Ihr Wissen und ihre Erfahrungen zum Thema Wechseljahre teilt sie in ihrem Blog www.wechselleben.de.