Viele Krebsmedikamente haben kardiotoxische Nebenwirkungen. Dazu gehören Bluthochdruck, Herzinsuffizienz, Rhythmusstörungen und ein erhöhtes Herzinfarktrisiko. Besonders kardiotoxisch sind Anthrazykline, die bei Brustkrebs und vielen anderen Krebsarten zur Basistherapie gehören. Aber auch Checkpoint-Inhibitoren oder Angiogenese-Hemmer können das Herz angreifen. Gleiches gilt für Bestrahlungen im Thoraxbereich, etwa bei Brust- oder Lungenkrebs.
Kardiovaskuläre Komplikationen können bereits während der Behandlung auftreten, werden mitunter aber auch erst Jahre oder sogar Jahrzehnte später klinisch relevant. Das Risiko für eine langfristige Einschränkung der Herzfunktion ist insbesondere bei Menschen erhöht, die bereits an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung leiden oder Risikofaktoren wie Rauchen, Adipositas, Diabetes mellitus oder Hypercholesterolämie aufweisen.
Zu den häufig unterschätzten Langzeitfolgen einer Krebserkrankung gehören kognitive Beeinträchtigungen. Unter dem sogenannten Chemo Brain leiden Schätzungen zufolge etwa 20 bis 35 Prozent der Krebsüberlebenden auch Monate oder Jahre nach Abschluss der Therapie. Betroffene klagen über Konzentrationsstörungen, Gedächtnisprobleme, verminderte Aufmerksamkeit, Schwierigkeiten beim Multitasking oder eine verlangsamte Informationsverarbeitung. Die Ursachen sind meist multifaktoriell: Neben der Chemotherapie, insbesondere mit Anthrazyklinen, Taxanen oder hoch dosiertem Methotrexat, spielen mutmaßlich Strahlen- und endokrine Therapien sowie Schlafstörungen und psychische Belastungen eine Rolle. Einheitliche Empfehlungen zur Therapie existieren nicht. Oft helfen Entspannungstechniken, kognitives Training oder Bewegungstherapie.
Bei 20 bis 40 Prozent der Brustkrebspatientinnen entwickelt sich im Lauf der Jahre am Arm der betroffenen Seite ein Lymphödem. Gefährdet sind insbesondere Frauen, bei denen axilläre Lymphknoten entfernt oder bestrahlt wurden. Seltener tritt ein Beinlymphödem nach einer Behandlung von Tumoren im Bauchraum auf, etwa bei Eierstock- oder Prostatakrebs.
Erste Anzeichen sind häufig ein Schwere- oder Spannungsgefühl im betroffenen Arm oder Bein. Schmuck, Armbanduhr oder Schuhe sitzen plötzlich enger und hinterlassen Abdrücke im angeschwollenen Gewebe. Im weiteren Verlauf kann der Lymphstau Schmerzen verursachen und die Beweglichkeit zunehmend einschränken. Ohne Behandlung drohen dauerhafte Gewebeveränderungen, Verhärtungen sowie Komplikationen wie ein Erysipel. Um Folgeschäden zu vermeiden, sollten Betroffene auf mögliche Warnsignale achten und frühzeitig einen Arzt aufsuchen. Die Behandlung umfasst in der Regel eine Kombination aus Lymphdrainage und Kompressionstherapie.
Aufmerksamkeit gilt auch immunvermittelten Reaktionen nach einer Therapie mit Immuncheckpoint-Inhibitoren, die noch Monate und Jahre nach Therapieende auftreten können. Dazu zählen unter anderem Autoimmunthyreoiditis, Hypophysitis, Hepatitis, Colitis, Pneumonitis oder insulinpflichtiger Diabetes mellitus. Neu auftretende Durchfälle, Atemnot, ausgeprägte Müdigkeit oder andere suspekte Symptome sollten nach einer Immuntherapie immer Anlass für eine rasche ärztliche Abklärung sein.
Darüber hinaus kann es je nach betroffenem Organ zu tumorspezifischen Langzeitfolgen kommen, etwa einer vorzeitigen Menopause nach der Entfernung der Eierstöcke, sexuellen Funktionsstörungen und Inkontinenz nach einem Prostatakarzinom, Darmfunktionsstörungen oder einem künstlichen Darmausgang nach einem Kolorektalkarzinom.