Der Weg zurück in den Alltag nach einer Krebstherapie braucht Zeit, Geduld und realistische Ziele, da sich Körper und Psyche an das Leben nach der Krankheit anpassen müssen. / © Getty Images/SerrNovik
In Deutschland leben derzeit rund fünf Millionen Menschen mit oder nach einer Krebserkrankung. Bei etwa zwei Dritteln von ihnen liegt die Diagnose bereits mindestens fünf Jahre zurück; sie gelten als Langzeitüberlebende. Dank der Fortschritte in Früherkennung, Diagnostik und Therapie wird ihre Zahl weiter steigen.
Doch selbst wenn die Erkrankung medizinisch als geheilt gilt, kämpfen viele Betroffene mit Langzeit- und Spätfolgen. Mehr als die Hälfte leidet unter gesundheitlichen Einschränkungen wie Fatigue, chronischen Schmerzen, Lymphödemen oder depressiven und Angstsymptomen. Hinzu kommen häufig berufliche und finanzielle Herausforderungen: Nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung kehren 20 bis 30 Prozent der Krebsüberlebenden nicht mehr in ihren früheren Beruf zurück, andere können nur noch in Teilzeit arbeiten.
Lange konzentrierte sich die Krebsnachsorge vor allem auf die frühzeitige Erkennung von Rezidiven, Metastasen und Zweittumoren. Inzwischen rückt jedoch zunehmend das Konzept des »Cancer Survivorship« in den Mittelpunkt. Ziel entsprechender interdisziplinärer Programme ist eine ganzheitliche Begleitung von Krebsüberlebenden: Sie sollen Langzeit- und Spätfolgen der Erkrankung und ihrer Therapie mindern, die Lebensqualität erhalten und die soziale Teilhabe fördern. Im Unterschied zur klassischen Nachsorge sind Survivorship-Programme meist auf eine langfristige, oft lebenslange Unterstützung ausgerichtet.
Obwohl nationale und internationale Fachgesellschaften seit Jahren den Aufbau strukturierter und koordinierter Survivorship-Angebote fordern, existieren solche Programme in Deutschland bislang überwiegend als Modellprojekte an einzelnen Tumorzentren. Außerhalb dieser Einrichtungen hängt es häufig von der Eigeninitiative der Betroffenen oder dem Engagement der behandelnden Ärzte ab, inwieweit Unterstützungsangebote wie Psychoonkologie, Sozial- und Ernährungsberatung, Bewegungstherapie oder Selbsthilfegruppen genutzt werden.
Als niedrigschwellige und wohnortnahe Ansprechpartner können Apotheker in der langfristigen Begleitung von Krebsüberlebenden einen wichtigen Beitrag leisten. Sie können Arzneimittelinteraktionen erkennen, die Therapietreue unterstützen und zur Selbstmedikation beraten. Darüber hinaus sind sie häufig die erste Anlaufstelle bei therapiebedingten Nebenwirkungen oder neu auftretenden Beschwerden. Durch gezieltes Nachfragen kann das Apothekenteam Betroffene dazu ermutigen, Symptome ärztlich abklären zu lassen und geeignete supportive Behandlungsangebote in Anspruch zu nehmen.