Nicht zu unterschätzen ist auch die psychische Belastung vieler Cancer Survivors. Selbst Jahre nach einer erfolgreichen Behandlung bleibt bei vielen die Angst vor einem Rückfall bestehen, die »Fear of Cancer Recurrence« (FCR). Metaanalysen zufolge leidet darüber hinaus jeder fünfte Langzeitüberlebende an allgemeinen Angstsymptomen und/oder Depressivität. Viele fühlen sich durch die lange Krebstherapie sowie ihre körperlichen und psychischen Folgen sozial isoliert. Hinzu kommt eine möglicherweise nur noch eingeschränkte Berufstauglichkeit. Auch sexuelle Probleme oder ein verändertes Körpergefühl können sehr belastend sein.
Während der Akuttherapie und in der Krebsnachsorge haben Betroffene Anspruch auf kostenfreie psychoonkologische Beratungsgespräche. Bei Bedarf bietet eine Psychotherapie langfristige Unterstützung, idealerweise in einer auf Krebsbetroffene spezialisierten Praxis. Sind Präsenzangebote nicht verfügbar, empfiehlt die Leitlinie »Psychoonkologie« ausdrücklich auch E-Health-Interventionen wie digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) oder telemedizinische Angebote.
Häufig gerät jedoch das gezielte Screening auf psychosoziale Belastungen in der routinemäßigen Krebsnachsorge in den Hintergrund. Helfen können bereits einfache Fragen nach Stimmung, Schlafqualität, Sorgen, familiären Belastungen oder sozialer Unterstützung.
Von zentraler Bedeutung moderner Survivorship-Programme bleibt die Früherkennung von Lokalrezidiven, Fernmetastasen oder Zweitmalignomen. Die Nachsorgeintervalle orientieren sich am individuellen Rückfallrisiko. Bei den meisten soliden Tumoren treten 70 bis 90 Prozent aller Rezidive innerhalb der ersten fünf Jahre nach Abschluss der Primärtherapie auf. Entsprechend engmaschig erfolgen in diesem Zeitraum die Kontrolluntersuchungen. Eine Ausnahme stellt das hormonabhängige Mammakarzinom dar: Da hier das Rezidivrisiko zehn Jahre und länger relativ stabil bleibt, sollten die Nachsorgeuntersuchungen mindestens über diesen Zeitraum weitergeführt werden.