Unabhängig von der Grunderkrankung steigt im Alter das Risiko für Schluckstörungen. So leiden 30 bis 40 Prozent der älteren Menschen, die ein unabhängiges Leben führen, an einer Schluckstörung oder Dysphagie (24, 25). Der Anteil steigt auf 50 Prozent bei Bewohnern von Alten- und Pflegeheimen und hat sein höchstes Level (70 Prozent) bei geriatrischen Patienten, die im Krankenhaus behandelt werden (20, 26). Die Dysphagie-Rate liegt bei Patienten mit Schlaganfall bei 65 Prozent und bei Parkinson-Patienten bei 82 Prozent (27–30).
Folgen davon sind oft Pneumonien. Dies ist fatal, da diese Menschen oft auch unterernährt und somit in der Abwehr geschwächt sind. Folglich verstärkt eine Dysphagie oft auch die Gebrechlichkeit (31, 32).
Neben der Dysphagie findet man bei älteren Menschen auch die Presbyphagie. Darunter versteht man eine altersbedingte Veränderung des Schluckverhaltens, ausgelöst durch eine verlangsamte Schluckreaktion, sensorische Veränderungen, Xerostomie und auch Prothesenprobleme. Die Betroffenen reagieren häufig sehr empfindlich auf ungünstige Darreichungsformen.
Patienten mit Xerostomie haben eine reduzierte Speichelproduktion, was das Schlucken von festen Arzneiformen erschwert und somit Aspirationen begünstigt. Die Schlucksicherheit ist oft erhalten, die funktionelle Reserve aber vermindert (33, 34).
Schluckprobleme sind immer unangenehm. Sie werden zu einem Problem, wenn sie zu einer unsachgemäßen Manipulation der festen oralen Arzneiform führen. Dies kann unerwünschte Arzneimittelwirkungen, zum Beispiel durch lokale Reizungen, schwerwiegende Gesundheitsschäden oder eine verminderte Adhärenz zur Folge haben (35). Das Apothekenteam sollte das Problem strukturiert angehen (Kasten).
In einem ersten Schritt ist es sinnvoll herauszufinden, welche Form der Schluckstörung vorliegt. Eine zugrunde liegende Erkrankung sollte immer zuerst optimal behandelt sein.
Wenn Patienten Probleme mit der Einnahme ihrer Medikamente haben, sollten Apotheker strukturiert nach den Ursachen fahnden. / © Imago/HalfPoint Images
In einem weiteren Schritt kann das Apothekenteam die Einnahme mit Schluckhilfen, zum Beispiel Medcoat®, Glub® oder speziellen Schluckbechern, empfehlen. Günstig ist es, Einnahmezeitpunkte zu reduzieren. Liegt eine Xerostomie vor oder verschlechtert diese eine Schluckstörung, könnten Arzneimittel mit anticholinergem Potenzial in Absprache mit dem Arzt ausgetauscht oder abgesetzt werden.
Wenn notwendig, können Arzneiformen ausgetauscht werden. Beim Austausch von retardierten gegen unretardierte Formen sind die Halbwertszeiten zu beachten, die eventuell häufigere Einnahmen der unretardierten Formen erfordern.
Es sollte möglichst auf die am wenigsten invasive Arzneiform umgestellt werden; optimal wäre die Umstellung von Tabletten oder Kapseln auf Schmelz- oder Brausetabletten, Tropfen oder Säfte. Bei der Umstellung auf Liquida ist zu beachten, dass diese häufig schlecht schmecken und dass manche Patienten Probleme mit der Dosierung aufgrund von eingeschränkter Händigkeit oder Visusminderung haben. Männer lehnen Tropfen und Säfte oft ab (15).
Transdermale therapeutische Systeme (TTS, Pflaster) können sinnvoll erscheinen. Sie sind aufgrund der nötigen Vorbereitung der Haut, den oft unregelmäßigen Applikationsintervallen (alle 72 oder 96 Stunden) und vor allem aufgrund der veränderten Wirksamkeit und der schwierigen Steuerbarkeit bei kachektischen Patienten nur selten eine sinnvolle Alternative.
Haben Patienten Probleme, feste orale Arzneiformen zu schlucken, sollte das Apothekenteam zunächst die Art des Problems erfragen. Denkbar sind:
Es gibt verschiedene Möglichkeiten zum Medikationsmanagement: