Systemische Hormontherapien wirken auch auf Genitalschleimhäute. Der relative Estrogenmangel unter einer Testosterontherapie verändert das vaginale Epithel ähnlich einer postmenopausalen Atrophie. Es kommt zu: dünnerer Schleimhaut, reduzierter Lubrikation und einer veränderten Mikroflora (2, 14).
Hilfreich sind parfümfreie, pH-neutrale Syndets statt Seife für die äußere Reinigung sowie wasser- oder silikonbasierte Gleitmittel bei Trockenheit oder Schmerzen. Da individuelle Sexualpraktiken sehr unterschiedlich sind, sollte das Apothekenpersonal in der Beratung von den geschilderten Beschwerden ausgehen und keinerlei Annahmen über Anatomie oder Praktiken machen.
Metoidioplastik und Phalloplastik sind zwei unterschiedliche chirurgische Methoden der geschlechtsangleichenden Operation bei Transmännern. Bei der Metoidioplastik wird die durch Testosteron vergrößerte Klitoris durch Durchtrennung des Haltebandes mobilisiert und zu einem funktionalen Penis umgeformt; das Ergebnis ist kleiner als bei der Phalloplastik, behält aber die ero¬gene Sensibilität der ursprünglichen Klitoris. Bei der Phalloplastik wird mithilfe von Haut- und Gewebetransplantaten – meist vom Unterarm oder Oberschenkel – ein Penis chirurgisch neu aufgebaut; der Eingriff ist aufwendiger und mit einer höheren Rate an urethralen Komplikationen verbunden (15).
Narbenpflege und Wundheilung sind häufige Beratungsthemen nach diesen Operationen. Silikongel oder -pflaster ab vollständigem Wundverschluss können die Narbenqualität verbessern. Wichtig zu wissen: Komplikationen der Harnröhre wie Fisteln oder Engstellen sind nach diesen Eingriffen nicht selten – Studien berichten Raten um 49 Prozent, abhängig von der OP-Technik (15). Bei Brennen, Schwellung oder Problemen beim Wasserlassen sollte die Apotheke nicht symptomatisch behandeln, sondern den Transmann an die behandelnde Klinik verweisen.
Bei Transfrauen unterscheidet sich die Pflege der Neovagina deutlich nach der Operationsmethode der Vaginoplastik: Bei der häufigsten Technik, der Penisinversion, wird die Neovagina aus Haut im Bereich von Penis und Hodensack gebildet. Dieses Gewebe ist nicht selbstlubrizierend. Eine lebenslange, regelmäßige Dilatation mit speziellen Dilatatoren ist notwendig, um die Weite zu erhalten – initial mehrmals täglich, später kann dies meist auf ein- bis zweimal pro Woche reduziert werden, je nach individuellem Schema der behandelnden Klinik.
Wichtig für die Beratung in der Apotheke: Für die Dilatation sollte ein wasserbasiertes Gleitmittel verwendet werden, da silikonbasierte Gleitmittel bei wiederholtem Kontakt medizinische Silikon-Dilatatoren angreifen und porös machen können (16).
Bei der selteneren Kolon-Vaginoplastik wird ein Darmsegment verwendet. Dieses Gewebe produziert eigenständig Schleim und ist in der Regel selbstlubrizierend, kann aber zu vermehrtem oder unangenehm riechendem Ausfluss führen.
In beiden Fällen gilt: Die Neovagina wird mikrobiologisch nicht von Laktobazillen dominiert, sondern weist eine deutlich vielfältigere Mikroflora auf als eine cis-weibliche Vagina (14, 17). Vaginale Probiotika oder Laktobazillen-Präparate, die für den Aufbau der Vaginalflora bei Cis-Frauen entwickelt wurden, lassen sich daher nicht ohne Weiteres auf Personen mit Neovagina übertragen – die Evidenz dafür fehlt schlicht.
Bei Geruch, Ausfluss oder Schmerzen ist eine ärztliche Abklärung der richtige Weg – keine Selbstmedikation nach dem Muster »klassischer« Intimpflege. Zur rein äußeren Pflege eignen sich reizarme, parfümfreie Syndets. Von stark parfümierten Intimsprays ist abzuraten.
Beschwerden im Intimbereich sprechen Transfrauen häufig mit Scham aus – eine sachliche, diskrete Beratung ohne Nachfragen über das unmittelbar Notwendige hinaus ist hier besonders wichtig.