Mit zunehmendem Bart- und Körperhaarwuchs beginnen viele Transmänner erstmals damit, sich regelmäßig zu rasieren. Gerade in dieser Phase treten Rasurbrand und eingewachsene Haare häufig auf. Gleichzeitig nimmt bei vielen die körperliche Aktivität zu, etwa durch Krafttraining oder Sport zur Unterstützung der gewünschten Körperkomposition.
Für die Beratung in der Apotheke können bereits einfache Maßnahmen hilfreich sein: Vor der Rasur sollte die Haut mit warmem Wasser aufgeweicht und die Haare möglichst in Wuchsrichtung statt gegen den Strich rasiert werden. Empfehlenswert sind scharfe Einwegklingen oder elektrische Trimmer anstelle mehrfach verwendeter Klingen.
Rasurbedingte Hautreizungen treten insbesondere in der Anfangsphase regelmäßiger Bartrasuren auf. / © Getty Images/Fajrul Islam
Nach der Rasur eignen sich alkoholfreie panthenolhaltige Produkte besser als klassische alkoholhaltige Aftershaves. Eine niedrig dosierte Pflege mit einem Salicylsäure-Gehalt von 1 bis 2 Prozent kann eingewachsenen Haaren vorbeugen. Es kann außerdem hilfreich sein, die Haut nach dem Sport möglichst schnell zu reinigen, um entzündliche Hautveränderungen zu verringern. Zusätzlich sollten Pflege- und Sonnenschutzprodukte verwendet werden, die nicht komedogen sind.
Einige Transmänner nutzen topisches Minoxidil, um den Bartwuchs zu fördern oder zu beschleunigen. Obwohl die Evidenz für diese Anwendung begrenzt ist, wird sie insbesondere in sozialen Medien häufig diskutiert. Zu den möglichen Nebenwirkungen zählen lokale Irritationen, Schuppung, Juckreiz und Kontaktdermatitiden. Bei bereits entzündlicher oder stark irritierter Haut sollte das Apothekenteam die Anwendung daher kritisch hinterfragen.
Unter feminisierender Hormontherapie sinkt die Talgproduktion; die Haut wird dünner und empfindlicher. Eine aktuelle Expertenempfehlung formuliert es deutlich: Ceramidhaltige Pflegeprodukte sind bei dieser Patientengruppe obligatorisch, nicht optional (9).
Sinnvoll ist eine Feuchtigkeitspflege mit Ceramiden, Cholesterol und freien Fettsäuren, die zusammen die natürlichen Bausteine der Hautbarriere bilden – ergänzt durch Glycerin, Hyaluronsäure, Panthenol oder Niacinamid. Letzteres stärkt zusätzlich die Barriere und hellt Pigmentflecken auf.
Oft profitiert empfindliche Haut von weniger Produkten statt von zusätzlichen Wirkstoffen. / © Getty Images/RealPeopleGroup
Zurückhaltung ist geboten bei hochprozentigen Frucht- oder Salicylsäuren, alkoholhaltigen Gesichtswassern und stark schäumenden, waschaktiven Tensiden wie Natriumlaurylsulfat – sie trocknen eine ohnehin geschwächte Barriere zusätzlich aus.
Wer aus der Zeit vor der Transition noch eine intensive Akne-Pflegeroutine fortführt, den sollte das Apothekenteam aktiv darauf ansprechen, dass diese meist nicht mehr zur veränderten Hautphysiologie passt. Oft ist es sinnvoller, die Hautpflege auf wenige, gut verträgliche Produkte zu reduzieren, anstatt weitere Wirkstoffe einzuführen.