Bestehende Dermatosen können sich unter einer Hormontherapie verändern: Akne und Rosazea reagieren über die Talgproduktion grundsätzlich in die jeweils erwartbare Richtung. Das heißt: Testosteron verschlechtert und Estrogene verbessern Akne meist. Rosazea ist in diesem Kontext schlechter untersucht.
Atopische Dermatitis kann sich unter feminisierender Hormontherapie durch die reduzierte Talgproduktion verschlechtern; konsequente Ceramidpflege ist hier doppelt wichtig. Zu allen drei Konstellationen ist die Datenlage bei Transpersonen noch begrenzt (18). Das sollte in der Beratung auch klar benannt werden, statt Sicherheit zu suggerieren, wo keine besteht.
| Dermatologische Veränderung | Häufige Zusammenhänge |
|---|---|
| Seborrhoe und Akne | insbesondere unter Testosterontherapie durch gesteigerte Sebumproduktion |
| Trockene und empfindliche Haut | häufiger unter feminisierender Hormontherapie durch reduzierte Talgproduktion |
| Barrierestörungen und Irritationen | verstärkt unter aggressiven Hautpflegeroutinen, Retinoiden oder exfolierenden Wirkstoffen (entfernen abgestorbene Hautschuppen) |
| Postinflammatorische Hyperpigmentierung | häufig nach entzündlicher Akne, Rasur oder Epilation |
| Verändertes Haarwachstum | verstärkter Bart- und Körperhaarwuchs unter Testosteron, Reduktion androgenabhängiger Behaarung unter Estrogenen oder Antiandrogenen |
| Schleimhauttrockenheit | insbesondere unter Testosterontherapie durch relativen Estrogenmangel |
| Narben- und Wundheilungsfragen | nach geschlechtsangleichenden Operationen |
Unter Testosteron steigt die Talgproduktion rasch an. Epidemiologische Daten zeigen, dass das Aknerisiko von Transmännern im ersten Behandlungsjahr im Vergleich zu Cis-Männern um das Achtfache erhöht ist und auch nach fünf Jahren noch deutlich über dem Ausgangsniveau liegt (6). Dies betrifft vor allem Gesicht, Rücken und Brust; rund ein Drittel der Transmänner unter Testosteron-Therapie entwickelt eine mittelschwere bis schwere Akne (7).
Komedonen entstehen durch verstopfte Talgdrüsen, die durch eine Testosterontherapie begünstigt werden. / © Getty Images/Marina Demeshko
Bei vielen Transmännern fällt zunächst weniger eine entzündliche Akne als vielmehr eine ausgeprägte Seborrhö auf. Die Haut wirkt fettiger, glänzender und zeigt häufig vergrößerte Poren, insbesondere in der T-Zone. Auch eine verstärkte Schuppung an der Kopfhaut, den Augenbrauen oder in den Nasolabialfalten kann auftreten. Diese Veränderungen werden häufig als unvermeidlicher Bestandteil der Testosterontherapie wahrgenommen und können erheblichen Leidensdruck verursachen.
Die gesteigerte Talgproduktion kann darüber hinaus begünstigen, dass ein seborrhoisches Ekzem entsteht oder sich verschlimmert. Typisch sind erythematöse, leicht schuppende Areale an Kopfhaut, Augenbrauen, Nasolabialfalten oder hinter dem Ohr. In der Apotheke wird dies nicht selten mit trockener Haut verwechselt, wobei fettreiche Pflegeprodukte die Beschwerden zusätzlich verstärken können.
Schweiß, Reibung und okklusive Sportbekleidung können entzündliche Hautveränderungen zusätzlich begünstigen und bestehende Akneläsionen insbesondere an Rücken, Schultern und Brust verschlechtern.