Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

Reinigung und Pflege bei Akne
-
Die Haut mag’s sauer

Der Weg zu einem klareren Hautbild beginnt für Akne-Betroffene mit der passenden Reinigung. Welche Dermokosmetika sind dafür am besten geeignet? Auf welche Hygiene-Maßnahmen gilt es, besonders zu achten? Wie trägt man die anschließende Pflege richtig auf? Die PZ hat bei Experten nachgefragt.
AutorKontaktElke Wolf
Datum 13.08.2026  09:00 Uhr

Smartphone-Akne? Ja, die gibt es! »In meiner Sprechstunde erlebe ich mehrmals pro Woche die gleiche  Situation: Bei ausgeprägten Unreinheiten, einer perioralen Dermatitis oder wiederkehrender Impetigo wird jede äußere Ursache kategorisch ausgeschlossen. ›Nein, das kann nicht von außen kommen. Meine Tochter ist sehr penibel und achtet extrem auf Hygiene‹, heißt es dann«, berichtet Dermatologe Dr. German Hubatsch.

»Nicht jede Entzündung entsteht durch Keime von außen. Aber erstaunlich viele wiederkehrende Hautinfektionen lassen sich erst dauerhaft lösen, wenn man den Urheber findet«, sagt der niedergelassene Hautexperte aus Neu-Isenburg. Dabei sei das Handy nur ein Beispiel. »Auch Make-up-Utensilien, Sonnencremes oder Wasserhähne können als Reservoir für immer wiederkehrende Hautprobleme dienen.«

Smartphones seien nachweislich Keimreservoire und werden Dutzende bis Hunderte Male pro Tag an Gesicht, Mundregion und Wangen gehalten, sensibilisiert er. In Kombination mit Wärme und Strahlung, die vom Smartphone ausgehen, können bis zu 22.000 Bakterien pro cm2 über längere Zeiträume überleben, wie Untersuchungen zeigen, etwa Escherichia coli, Staphylococcus aureus oder Enterococcus spp.

Diese schaffen besonders dem Bakterium Cutibacterium acnes ein günstiges Mikroklima. Es kann sich dann unter den anaeroben Bedingungen des verstopften Follikels stark vermehren. »Im Unterschied zur gewöhnlichen Akne zeigt sich die Smartphone-Version auf einer Gesichtshälfte verstärkt. Es sind auch keine Komedonen zu finden, sondern hauptsächlich entzündliche Läsionen, die ihrerseits zu Papeln und Pusteln führen«, so Hubatsch.

Hautmikrobiom stärken

Unabhängig von der Ausprägung der Effloreszenzen kommt der richtigen Reinigung und Pflege bei Akne-Haut eine wesentliche Rolle zu. Die fachkundige Beratung in der Offizin sei essenziell, ungeeignete Präparate verschlechterten das Hautbild, weiß Dermatologin Dr. Michaela Axt-Gadermann. »Reinigungs- und Pflegepräparate müssen sauer eingestellt sein, da der physiologische pH-Wert der Haut abhängig von der Körperregion zwischen 4,1 und 5,8 liegt. Cutibacterium acnes lässt sich nur in Schach halten und sein Wachstum reduzieren, wenn der pH-Wert sauer ist«, sagt die Professorin für Gesundheitsförderung von der Hochschule Coburg.

»Der saure Haut-pH-Wert, also der Säureschutzmantel der Haut, schützt nicht nur vor Alterung, sondern auch vor der Ausbreitung unerwünschter Bakterien«, so die Mikrobiomspezialistin. »Basische Hautpflege oder Basenbäder sind deshalb völlig kontraproduktiv – bei Akne oder auch Neurodermitis. So ist bei Letzterer das Wachstum von Staphylococcus aureus einzudämmen. Die Staphylokokken versuchen nämlich selbst, den pH-Wert ins Basische zu bringen, weil sie damit ihre Wachstumsbedingungen verbessern. Ähnlich ist die Situation bei Akne. Durch eine saure Reinigung bleibt dagegen die natürlich vorkommende Flora an Bakterien und Hefen auf der Haut im Gleichgewicht.«

Die Hautärztin rät vielmehr zu schwach sauren fettfreien Reinigungsgelen oder Emulsionen mit geringem Lipidanteil (möglich sind etwa Neostrata® Foaming Glycolic Wash, Dermasence® Mousse Reinigungsschaum, Eucerin® Dermo Purifyer). Antibakterielle Zusatzstoffe könnten hilfreich sein. Zudem sollte das Reinigungsprogramm nicht zu stark entfetten, da es die Produktion von Talg erst recht in einer Art Gegenreaktion anfachen kann. Auch die Hautpflege sollte dem physiologischen pH-Wert der Haut angepasst und frei von ionischen Stabilisatoren und Emulgatoren sein. Gut geeignet sind hydrophile Systeme wie O/W-Formulierungen, Hydrodispersionsgele oder reine Hydrogele (wie Neostrata® Renewal Creme und Bionic Face Creme, Benevi® Hydroderm, Balneum® Lutsine).

Ein ein- bis zweimal wöchentliches Gesichtspeeling befreit die Haut von übermäßigen Talgdrüsenlipiden, Zellrückständen und Feinstäuben. Dafür eignen sich Fruchtsäurepeelings mit Glykolsäure und Co. und solche mit Salicylsäure (wie Vichy Normaderm Reinigungs-Peeling-Gel, Avène Cleanance Peeling Maske, Aknefug® Liquid). Auch enzymatische Peelings mithilfe von Aprikosenkernmehl oder Walnussschalen haben sich bewährt. Diese sanfte Abreibung ist allerdings nur so lange sinnvoll, wie die Komedonen nicht entzündet oder eitrig sind, ansonsten riskiert man Schmierinfektionen.

Mehr von Avoxa