Seit wenigen Wochen gibt es eine neue topische Behandlungsoption: Clascoteron (Winlevi® 10 mg/g Creme, Infectopharm) ist ein antiandrogener Behandlungsansatz, geeignet für alle Akne-Formen und -Schweregrade – unabhängig vom Geschlecht. Bei Jugendlichen im Alter zwischen zwölf und 18 Jahren darf es ausschließlich im Gesicht angewendet werden, bei Erwachsenen auch auf der Brust und/oder dem Rücken.
Clascoteron greift als Androgenrezeptorantagonist direkt an der hormonellen Ursache der Akne an und blockiert lokal in der Haut die Bindung von Dihydrotestosteron an die Rezeptoren. Dadurch werden Talgproduktion und -ansammlung unterdrückt und Entzündungsmediatoren reduziert. Weil es in der Haut schnell zu einer inaktiven Form metabolisiert wird, hat es nahezu keine systemische antiandrogene Wirkung und kann bei weiblichen sowie männlichen Betroffenen angewendet werden.
»Das ist ein neuer, interessanter Ansatz, und die topische Darreichung ist für die Praxis von großem Vorteil«, wertet Professorin Dr. Christiane Bayerl, Direktorin der Klinik für Dermatologie und Allergologie der Helios Kliniken Wiesbaden. Bislang war eine antiandrogene Behandlung nur per hormonellen Kontrazeptiva oder im Off-Label-Gebrauch mit dem Aldosteron-Antagonisten Spironolacton möglich.
Beratungshinweis: Clascoteron sollte zweimal täglich morgens und abends gleichmäßig dünn auf den gesamten betroffenen Bereich aufgetragen werden – also nicht nur auf die Akneläsionen. Das steht im Gegensatz zur Anwendung von topischen Retinoiden (Adapalen, Tretinoin, Trifaroten) sowie Antibiotika. Diese sind punktförmig und nicht flächig aufzutragen.
Das Vitamin-A-Derivat Isotretinoin ist derzeit das potenteste Akne-Therapeutikum. Es sollte möglichst frühzeitig zum Einsatz kommen, wenn die Haut eine starke Entzündungs- und Vernarbungstendenz zeigt. Die damit erzielbare lang anhaltende Remission ist mit keiner anderen Akne-Therapie zu erreichen. »Mit Isotretinoin lässt sich vor allem die erhöhte Differenzierungsrate der Zellen effektiv einstellen, indem der entsprechende Rezeptor gehemmt wird. Das macht die Substanz und auch die topischen Retinoide so potent«, informiert Bayerl. Die Zurückhaltung bezüglich der oralen Einnahme hält die Hautärztin für nicht mehr angezeigt. »Ich rate relativ frühzeitig zur Isotretinoin-Einnahme – auch weil wir in den zurückliegenden Jahrzehnten gelernt haben, mit der Substanz umzugehen.«
Eine wichtige Erkenntnis der vergangenen Jahre ist das Runterfahren in der Dosierung. »Wir sind heute weg von den höheren Dosierungen. Eine Minidosis von 10 bis 20 mg genügt, oft reicht es auch, nach einer Art Stoßtherapie nur alle zwei Tage 10 mg Isotretinoin über zwei bis drei Jahre zu nehmen. Für die positiven Effekte benötigen wir dadurch etwas mehr Zeit, die Nebenwirkungen sind dafür aber reduziert«, nimmt Bayerl die Angst vor unerwünschten Begleiterscheinungen.
Die Lieferfähigkeit von Isotretinoin-haltigen Präparaten ist derzeit ziemlich angespannt. Seit Monaten schon sind nur noch sporadisch Weichkapseln zu bekommen. Das könnte an einem Beauty-Trend der Stars und Sternchen in Hollywood liegen. In der Ästhetik- und Anti-Aging-Szene boomt seit geraumer Zeit die niedrig dosierte Isotretinoin-Gabe ein- bis zweimal pro Woche – um faltenfrei mit dem gewissen Glow in die Kamera lächeln zu können.
Dabei nutzt man gewissermaßen eine angenehme Nebenwirkung Vitamin-A-Säure-(Tretinoin-)haltiger Präparate aus: Sie regen nachweislich die Kollagenbildung an, setzen die Faltentiefe herab, verbessern die Verbindung zwischen Epidermis und Dermis und wirken aufhellend.